Italia con Bici

12.04.2015 - 26.04.2015

12.04.2015, Bern - Spiez

52km, 824hm, 2h 44min, sonnig, windstill

 

Zum Anfang gings von Bern via Ulmizberg und Riggisberg am Stockhorn vorbei bis nach Spiez. Das Wetter war toll und es gab richtig Vorfreude auf die bevorstehende Tour. Von hier an hiess es, noch ca. 1350km in die Pedale treten bis zu unserem Ziel in Salerno.

13.04.2015, Spiez - Domodossola

121km, 2280hm, 7h 45min, sonnig, wenig Gegenwind

 

Von Spiez aus ging es nun mit Philip bei kühlen Temperaturen stetig steigend nach Kandersteg. Hier hiess es bereits zum ersten (und zum letzen) Mal in den Zug verladen, um auf die andere Seite des Lötschbergs zu gelangen. Im Wallis gabs bei herrlichem Wetter eine tolle Abfahrt ins Tal, bevors auf ebener Strasse nach Brig und anschliessend den Simplon hochging. Zuerst noch auf Nebenstrassen, dann auf der Hauptstrasse, windeten sich die Serpentinen nach oben und es schien, als wolle sie nie enden. Die lange Abfahrt auf der anderen Seite nach Domodossola war jedoch die Mühe wert und an der italienischen Grenze fühlte ich mich schon wieder fit und munter. Nun hatten wir also schon ein Teilstück unserer Tour, von welchem wir eine grosse Portion Respekt hatten, hinter uns. 

14.04.2015, Domodossola - Vigevano

139km, 376hm, 6h 43min, bewölkt, Gegenwind

 

Von nun an ging die Tour auf italienischem Boden weiter und wir entschieden uns spontan, dass wir es nach dem erfolgreichen ersten Tag bis nach Vigevano versuchen könnten. Schon auf den ersten Kilometern merkt man einen Unterschied zu den Schweizer Strassen. Schlaglöcher und schlechter Strassenbelag forderten unsere volle Konzentration und wenn wir uns während der Fahrt Mal ein Bisschen in der Gegend umherschauten konnte wir uns sicher sein, in ein monströses Schlagloch zu fahren. Ich hatte schon jetzt richtig bedauern mit meinem Velo nachdem es gefühlte hundert Mal so richtig durchgeschüttelt wurde. Zudem bemerkten wir bald, dass unsere Strassenkarte für Fahrradtouren nicht besonders geeignet war, da sie lediglich grössere Strassen aufzeigte und wir lieber auf weniger befahrenen Landstrassen gefahren wären. Nichtsdestotrotz kamen wir nach einem langen Tag im schönen Städtchen Vigevano an.

15.04.2015, Vigevano - Fidenza

150km, 325hm, 7h 24min, sonnig, viel Gegenwind

 

Da die Tour bisher so gut lief, entschieden wir uns am Vorabend, heute bis nach Fidenza zu fahren. Auf der Strassenkarte fanden wir leider keinen schlauen weg, welcher an den stark befahrenen Strassen vorbeiführte, und so standen uns ca. 135km auf der Hauptstrasse bevor. Als wir kurz nach Aufbruch einen Feldweg entdeckten beschlossen wir kurzerhand, unser Glück zu versuchen und auf diesem weiter zu fahren. Der Weg führte an Ackerflächen und Wäldern vorbei und verbreitete richtige Frühlingsgefühle. Nach einer knappen halben Stunde wendete dieser jedoch wieder in die entgegengesetzte Richtung, was uns genau wieder an unsere Anfangsposition führte. Von nun an ging es auf der Hauptstrasse und mit viel Verkehr in Richtung Pavia und anschliessend nach Somaglia, wo wir nach längerer Suche an einer Tankstelle etwas zu essen fanden. Vielleicht war es der Hunger, aber wir fanden es ziemlich witzig, in "Somalia" ein Sandwich zu essen :) Von da aus fuhren wir auf einem zufällig gefundenen Feldweg in Richtung Piacenza, welcher uns am Ende bei einer Werkhofausfahrt auf die Autostrasse führte, die wir ziemlich zügig wieder verliessen. Von Piacenza waren es noch 35km bis Fidenza und nach kurzer Zeit konnte ich schon mein Feierabendbier geniessen. Am Abend fand ich nach längerer Suche einen "geeigneten" Zeltplatz an einem Fluss, schön versteckt hinter all den Camping-Verbot Schildern :)

16.05.2015, Fidenza - Pontremoli

102km, 1605hm, 6h 22min, bewölkt, starker Gegenwind

 

Wir haben uns für die Überquerung des Apennin einige Höhemeter ausgerechnet, aber wir entschlossen uns trotzdem, einen kleinen Umweg auf einer Nebenstrasse zu fahren. Das Wetter und die Hügellandschaft waren wunderschön, und doch kostete uns dieser Umweg bereits einiges an Zeit und Kraft. Am Passo di Cisa schlängelte sich die Strasse schier endlos über die Berge und das Wetter verschlechterte sich von einem Moment auf den anderen. Kurz nach Beginn des Aufstiegs kam ein starker Gegenwind dazu, was das Radeln nicht einfacher machte. Auch die Vorfreude auf eine erholsame Abfahrt hielt auf dem Pass nicht allzu lange an. Der Wind blies so stark in unsere Richtung, dass wir sogar bergab in die Pedale treten mussten, um nicht still zu stehen. Ich war froh als ich in Pontremoli ankam, die Sonne schien und ich endlich eine Pizza essen konnte.

17.04.2015, Pontremoli - Lucca

126km, 445hm, 6h, Regen, Gegenwind

 

Kaum haben wir uns aufs Velo gesetzt fing es auch schon an zu regnen wie aus Kübeln und wir warfen schnell die Regenkleider über. Nach ca. 30km auf der Hauptstrasse erreichten wir das Meer und freuten uns über ein weiteres Etappenziel. Von hier an ging es auf einem gäbigen Radweg der Küste entlang geradeaus in Richtung Süden. Ich verpasste wieder Mal die richtige Verzweigung und irrte fast eine Stunde in Viareggio umher, bis mir eine freundliche Dame den richtigen Weg zeigte. Die Strecke zwischen Camaiore und Lucca war wiedermal ein landschaftliches Highlight und ich freute mich richtig über den „Minipass“. Es war richtig schön auf dieser Nebenstrasse zu fahren und nicht das ständige Gehupe von überholenden Autos und Lastwagen zu hören.  Kurz vor Lucca drückte die Sonne wieder durch und rückte die Altstadt in eine wunderschöne Atmosphäre. Schade, dass wir nur einen Abend in Lucca hatten, hier wäre ich gerne noch ein bisschen länger geblieben.

18.04.2015, Lucca - Volterra

77km, 674hm, 4h 17min, wechselhaftes Wetter


Von Lucca machten wir uns auf nach Volterra, worauf ich mich besonders freute. Nachdem wir anfangs wiedermal auf der falschen Strasse fuhren, fanden wir doch noch den richtigen Weg und konnten einen Grossteil der Strecke auf einem Radweg durch schöne hügelige Landschaften fahren. Der Aufstieg nach Volterra hatte es in sich, aber die Aussicht liess uns die Anstrengung sofort wieder vergessen. Wir waren definitiv in der Toskana angekommen.

19.04.2015, Volterra - Massa Marittima

65km, 1321hm, 4h, bewölkt, Gegenwind

 

Die Abfahrt von Volterra nach Salina di Volterra war ein Start in den Tag wie ich ihn mag J Von hier an ging es über unzählige Hügel rauf und runter in Richtung Massa Marittima. Die Strecke war auf unserer Strassenkarte grün eingezeichnet, was gemäss Kartenbeschrieb als „Landschaftlich besonders sehenswert“ eingestuft wird. Tatsächlich war die Gegend sehr schön und wurde lediglich durch kilometerlange Gasförderanlagen, Pipelines und Kraftwerke ein wenig verunstaltet. Nach ca. 20km hatten wir die Anlagen jedoch wieder hinter uns und ich genoss es richtig, in der Toskana zu sein. Die Strecke war der Wahnsinn und ich hätte hier noch ewig weiterfahren können. Schneller als erwartet trafen wir in Massa Marittima ein,  und nachdem wir uns entschieden hatten, den Abend hier zu verbringen, fanden wir ein cooles B&B und assen zur Abwechslung wiedermal Pizza.

20.04.2015, Massa Marittima - Istia d`O

62km, 272hm, 2h 56min, sonnig, wenig Gegenwind

 

Vor einigen Jahren war Philipp auf einem Weingut in der Nähe von Scansano und so setzten wir uns zum Ziel, heute Abend auf dem Weingut einen Morellino di Scansano zu trinken. Seit längerem hatten wir morgens wiedermal blauen Himmel und das Fahren ging wie von selbst. Nach knapp drei Stunden waren wir bereits beim Weingut und waren selbst ein bisschen erstaunt als wir noch vor Mittag dort eintrafen. Rahel und Marcello kochten uns ein herrliches Mittagessen und nachmittags durften wir ihrem Sohn Andrea beim Etikettieren der Weinflaschen helfen. Später wurden wir von Andrea durch die riesigen Weingüter gefahren und gingen zum Abendessen in die beste Pizzeria der Welt J

21.04.2015, Istia d`O - Viterbo

125km, 1818hm, 7h, sonnig, starker Gegenwind

 

Nun hiess es erst Mal zwei Stunden Aufstieg bei herrlichem Wetter nach Scansano. Marcello hat uns glücklicherweise von einer Landstrasse erzählt, welche nicht auf unserer Karte eingezeichnet war und nicht stark befahren sei. Es war amüsant zu erfahren was er unter einer „flachen Strasse“ versteht und die Höhemeter kumulierten sich noch bevor wir zum eigentlichen Berg kamen. Ab Pitigliano ging es dann aber so richtig rauf und mir dämmerte langsam, dass es noch ein langer Tag werden würde. Der Strassenzustand war zum grossen Teil eine Katastrophe und ich fluchte wie schon lange nicht mehr. Ständig musste man sich auf die durchlöcherte Strasse und den Verkehr achten, was fast anstrengenden war als das Fahren selbst. Abgesehen davon war es aber wiedermal eine wunderschöne Strecke und der Blick über den Lago die Bolsena von hoch oben war der Hammer. Das letzte Stück vor Viterbo war wieder auf einer Hauptstrasse und ich war froh, als ich endlich am Ziel ankam. Ich habe zuvor noch nie von Viterbo gehört, aber diese Stadt ist wirklich super. Es ist wie ein riesiges, mittelalterliches Freilichtmuseum und auch hier war ich bestimmt nicht zum letzten Mal!  

22.04.2015, Viterbo - Roma

97km, 882hm, 4h 54min, sonnig, Gegenwind

 

Von Viterbo nahmen wir eine Nebenstrasse, welche uns durch hügelige Landschaften bis kurz vor Rom führte.  Ich freute mich wie ein kleines Kind, zum ersten Mal seit der Sprachschule im Jahr 2009 wieder in Rom zu sein. Das Timing hätte nicht besser sein können und in Vejano erreichten wir an meinem Geburtstag die 1000km Marke. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis in die ewige Stadt. Dachten wir jedenfalls, denn die Einfahrt vom Ortsschild bis ins Zentrum von Rom dauerte ganze zwei Stunden. Die Strasse führte uns direkt zum St. Peters Dom und uns wurde erstmals so richtig bewusst, wie weit wir in dieser kurzen Zeit mit dem Fahrrad gefahren sind. Nun stehen wir hier in Rom und haben keinen Liter Benzin verbraucht, haben die ganze Strecke mit eigener Kraft zurückgelegt, und es fühlte sich super an. Man merkt es während der Fahrt kaum, aber man gewöhnt sich an das Sitzen auf dem Sattel, ans Pedalen, an die Strasse, und das Fahren wird schleichend zur Normalität. Ich hätte nicht gedacht, dass dies nach so kurzer Zeit schon geschehen würde. Am nächsten Tag gönnten wir uns einen Ruhetag und waren wiedermal seit langem zu Fuss unterwegs.

24.04.2015, Roma - Terracina

105km, 437hm, 5h 34min, sonnig, Gegenwind

 

Wir haben uns lange den Kopf darüber zerbrochen, auf welcher Strasse wir aus Rom fahren sollten, und dann fanden wir die perfekte Lösung. Nach nur 15min im Stadtverkehr fuhren wir in die Via Appia Antica und hatten die Strasse praktisch für uns. Die Strasse wurde vor fast 2000 Jahren gebaut und diente als Verbindung zwischen Rom und Neapel. Auch hier fühlte es sich wieder wie in einem Freiluftmuseum an und überall wo man hinsah waren alte Ruinen, Säulen und Statuen. Nach zwei Stunden Holperfahrt über die alten Pflastersteine gings über die Hauptstrasse nach Cisterna, von wo aus der weitere Verlauf 50km pfeiffengerade durch eine mit Bäumen gesäumte Hauptstrasse führte. Am Ende dieser eintönigen Strasse erwartete uns Terracina, wo wir uns den Russ der Lastwagen aus dem Gesicht waschen und ein paar wohlverdienten Bierli am Strand trinken konnten.

25.04.2015, Terracina - Portici

136km, 660hm, 6h 30min, sonnig, Gegenwind

 

Nach ca. 20 Kilometern entlang der zerklüfteten und wunderschönen Küstenlandschaft kamen wir wieder auf eine Hauptstrasse, welche uns direkt in eine grosse Flüchtlingssiedlung brachte. Die nächsten 30 Kilometer zeigten uns die Missstände auf, welche im italienischen Flüchtlingswesen herrschen. Die Häuser waren komplett heruntergekommen, es gab keine Einkaufsläden, keine Polizei, anscheinend keine funktionierende Abfallentsorgung, die einstigen Bewohner dieser Gegend haben sich scheinbar schon längst alle vom Acker gemacht und die Menschen standen gelangweilt am Strassenrand herum und waren etwas irritiert über die offenbar zwei ersten Radfahrer, die sie auf dieser Strasse gesehen haben. Kurz darauf war dann auch schon Neapel erreicht und wir bahnten uns den Weg durch einen irres Labyrinth von hupenden Autos und Rennfahrern auf Motorrollern. Auch hier waren die Strassenbeläge ein Abenteuer für sich und wir entschieden uns, im nächstbesten Hotel ausserhalb von Neapel zu übernachten. Und so fanden wir uns in Portici wieder, einem lebendigen Vorort Neapels. Ratet Mal was es anschliessend zum Abendessen gab :)

26.04.2015, Portici - Salerno

48km, 365hm, 2h 45min, sonnig, windstill

 

Als wir uns die Strassenkarte anschauten, konnten wir kaum fassen, dass wir schon heute in Salerno ankommen werden. Wir fuhren gemütlich durch alte Dörfer und waren nach knapp einer Stunde in Pompeji. Nach einem Caffe und einem kurzen Aufstieg auf einen Ausläufer der Amalfi-Halbinsel sahen wir weit unter uns die Bucht von Salerno :)