The Green Island

Gastbeitrag von Jonathan Baumeler

 

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat bekanntlich zwei.


Am Donnerstag den 20 April 2017 endete George’s Fahrradreise mit der Ankunft in Galway (Irland). Doch erstmal zurück an den Anfang der Geschichte – also nicht ganz an den Anfang, sondern lediglich ein paar Monate zurück. Eines schönen Tages entschied sich George spontan, seine 14 Monatige Reise in Irland anstelle von Japan zu beenden. Das Ganze kam so spontan, dass einige der Geburtstagsgäste Georges 30. Geburtstag am Ende alleine in Tokio feiern durften.


Aus Jux und Tollerei entschloss ich mich nach der legendären Fahrt nach Venedig noch ein zweites Mal mit George in Pedalen zu treten. Zu jenem Zeitpunkt ging ich davon aus, dass es ein gemütliches Fahrrad fahren und „Bierli trinken“ werden würde – so kann man sich täuschen.
Wir entschieden uns, der Ostküste entlang von Dublin nach Nordirland zu fahren. Im Nachhinein betrachtet hätte ich wohl bereits beim provisorischen Routenprofil von über 8000 Höhenmetern auf 1000 Kilometer argwöhnisch werden sollen. Zu meiner Person, ich bin 32 und fahre im Jahr etwa 10-15 Kilometer Fahrrad.

Kaum in Dublin gelandet betrat ich schon mein Lieblings Pub. Und da wartete auch schon ein frisch gezapftes Guinness auf mich – ach ja und George sass da auch noch irgendwo. Da wir am nächsten Tag 90 Kilometer bis nach Dundalk vor uns hatten, entschieden wir uns früh schlafen zu gehen. Naja, in den frühen Morgenstunden kamen wir schliesslich in unserem Hotelzimmer an und schliefen etwas länger als ursprünglich geplant – so kann es gehen in Irland.
Zum Glück war die erste Etappe eher flach und das Wetter spielte auch artig mit. Am späten Nachmittag erreichten wir bereits unser Ziel und beendeten die Fahr traditionsgemäss im erstbesten Pub.

Am zweiten Tag stand bereits die Fahrt über die Grenze und hinein in die nordirische Hauptstadt auf dem Programm. Belfast! Seit jeher assoziiere ich Belfast und Nordirland mit der Irisch Republikanischen Armee (IRA) und wüsten Kämpfen zwischen Katholiken und Protestanten. Mir waren allerdings, so muss ich gestehen, die historischen Gründe nur vage bekannt.
In Dublin hatten wir den Tipp erhalten, in Belfast eine sogenannte „Black Taxi“ Tour zu machen. Die Taxis in Belfast sind alle Schwarz und viele der Taxifahrer waren früher offenbar in Waffenschmuggel und Attentate gegen das britische Militär involviert. Heute verdienen sie sich mit allen möglichen Touristenfahrten ein wenig dazu.
Bevor wir in das Taxi steigen durften wurde uns kurz erklärt, die Geschichte von Belfast sei traurig und nichts für schwache Gemüter. Traditionell brauche man nach der Fahrt zudem ein paar Drinks um das Gelernte zu verarbeiten. Unser Taxifahrer, ein Katholik Mitte 50, ist im Arbeiterquartier von Belfast aufgewachsen. Sein Haus steht direkt neben einer hohen Mauer (weitaus höher als die Berliner Mauer), die errichtet wurde um Katholiken und Protestanten voneinander zu trennen. Beim Anblick der Mauer waren George und ich gleichermassen irritiert und fragten gleich nach, ob diese heutzutage noch notwendig sei. Unser Fahrer antwortete zögerlich, es sei schon besser gebe es die Mauer, welche Peace Wall, also Friedensmauer, genannt wird. Die Fahrt begann bei einem Mehrfamilienhaus im katholischen Arbeiterquartier bei dem die schlimmsten Strassengefechte zwischen Katholiken und der britischen Armee in den 70er Jahren stattgefunden hatten. Wir erhielten auch einen kurzen Exkurs über die geschichtlichen Hintergründe. Bis im 16 Jahrhundert war es den Briten nie gelungen Irland zu „zivilisieren“. Lediglich eine kleine Region rund um Dublin war unter britischer Kontrolle, ansonsten widersetzen sich die Iren erfolgreich gegen die starke Nachbarinsel. So wurde 1620 beschlossen, im Norden von Irland (von wo aus man die Küste von Glasgow sehen kann) eine ethnische Säuberung durchzuführen. Aus einem historischen Dokument geht folgendes hervor „we butchered man, woman, child and beast“. Jeder der nicht floh wurde getötet. Die Häuser wurden daraufhin schottischen und englischen Protestanten überlassen. Die Aktion ist historisch als „plantation“ d.h. Anpflanzung bekannt. Bewohner dieser Region werden teilweise als Ulster oder Irish Scotts bezeichnet und tragen oft schottische oder englische Nachnamen.
Uns fiel bereits am Vortag auf, dass in Nordirland viele Häuser den „Union Jack“, also die britische Fahne gehisst hatten. Nach Abschluss der Tour gingen wir wie anfangs empfohlen ins Pub und tranken noch das eine oder andere Guinness.

Am nächsten Morgen ging die Reise auch bereits weiter der Küste entlang nach Cushendall. Für mich war diese Etappe bislang die lockerste. An der Küste gab es nur wenige Steigungen und es wehte immer eine kühle Brise. Der arme George hatte mit seinem Lastwagen aufgrund des starken Gegenwindes allerdings mehr zu kämpfen – schön zu sehen, dass auch er ein Mensch aus Fleisch und Blut geblieben ist.
In Cushendall genehmigten wir uns einen Navi Croq, den ich extra aus der Abflugbar in Bern mitgebracht hatte. Für George war es nach gut einem Jahr der Erste (Beni hatte ihm einen nach Istanbul mitgebracht).

Von hier aus ging es immer weiter gegen Norden. Da es in dieser Gegend so viel zu sehen gibt, entschlossen wir uns etwas weniger zu fahren und dafür etwas mehr „Sightseeing“ zu machen. Mehrere Game of Thrones Originalschauplätze an der Küste (Dragonstone) und im Inland (Dark Hedges) standen am Morgen auf dem Programm, am Nachmittag schauten wir uns noch den Giant Causeway an und beendeten den Tag in der Old Bushmills Destilliere. Ein toller Tag mit fantastischer Landschaft und tollem Whiskey.

Danach stand die Fahrt nach Derry/Londonderry an. Wie wir lernen mussten, wird der Name der Stadt als politisches Statement empfunden, je nachdem wie man ihn sagt. Zitat eines Iren, den wir nahe der Grenze kennengelernt hatten: „I call it Derry, no London in my country!“ Zum Glück kann George mittlerweile gut genug navigieren, so dass wir niemanden nach dem Weg und dem Stadtnamen fragen mussten. In Derry/Londonderry angekommen, hatten wir einen tollen Abend mit Whisky, Bier und Live Musik.

Am nächsten Morgen stand dann noch die längste Etappe der Tour bevor. 120 Kilometer in hügeligem Gelände bis nach Enniskillen. Am späteren Nachmittag erreichten wir mit leichten Kopfschmerzen unser letztes Etappenziel in Nordirland, bevor es am nächsten Tag zurück in die Republik Irland ging.

Von hier an folgten wir teilweise dem bekannten Kingfisher Trail (der Kingfisher ist ein Eisvogel, der in dieser Gegend vorkommt) welcher unter Radfahrern sehr bekannt ist. Am Nachmittag des Karfreitag kamen wir schliesslich im kleinen irischen Städtchen Sligo an. Was uns dabei verwunderte waren die vielen geschlossenen Pubs. Ein Einheimischer klärte uns schliesslich darüber auf, dass in ganz Irland ein Alkoholverbot am Karfreitag gilt und sogar die ganze Temple Bar in Dublin an diesem Tag geschlossen bleibt (kleiner Tipp am Rande). Glücklicherweise machte unsere Hotelbar eine Ausnahme von dieser Regel, so dass wir unser traditionelles Feierabend-Sportgetränk trotzdem noch zu uns nehmen konnten.

Die Reise ging am nächsten Morgen weiter Richtung Süden. Die Passstrassen waren zwar steil, aber zumindest hatten wir in den Bergen nur wenig Verkehr und eine tolle Aussicht. Am Abend erreichten wir Castelbar. Weder George noch ich hatten je von diesem Ort gehört, aber da wir uns Westport (unser ursprüngliches Ziel) wegen der überteuerten Unterkünfte nicht leisten konnten, entschieden wir uns für einen Ort in der Nähe. Castelbar überzeugte uns vollständig! Ein Geheimtipp für Irlandfans im County Mayo mit vielen Pubs und einer tollen Landschaft.

Am frühen Sonntagmorgen fuhren wir dann weiter Richtung Westport und anschliessend über einen schmalen Pass hinein nach Connemara. Auf dem Weg sahen wir unter anderem den einzigen Fjord Irlands und erstaunlich viele Regenbogen – es regnete ja auch genug.
Am nächsten Morgen fuhren wir der Hauptstrasse entlang nach Clifden und machten auf dem Weg nur kurz bei der Kylemore Abbey halt. In Clifden angekommen gönnten wir uns ein paar Bier und freuten uns auf den sehnlichst erwarteten Besuch aus der Schweiz.

Nach zwei lustigen Tagen in Clifden war es schliesslich soweit, die letzte Fahrt unserer Irlandtour und für George die letzte auf seiner 14 monatigen Reise stand an. Wir fuhren von Clifden auf kleinen Strassen Richtung Atlantik. George versuchte jeden Augenblick auszukosten und wollte alle paar Kilometer für einen Irish Coffee halt machen. Das Wetter war toll und die letzten 90 Kilometer gingen viel zu schnell vorbei. In Galway angekommen war die Reise zu Ende und die Ferien konnten beginnen =)

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Kommentare: 5
  • #1

    Corinne (Montag, 08 Mai 2017 22:05)

    Wunderschönes Abschlussfeuerwerk !!!!
    Vielen Dank !!!
    All the best forever to all you guys !!!!

  • #2

    Lara (Dienstag, 09 Mai 2017 09:46)

    Dr Beni isch ufnä Bärg ufe gloffe?? Das gloubi ja nid! XD

  • #3

    JB (Dienstag, 09 Mai 2017 14:07)

    Klar isch er ufä glofe, het üs sogar mit sinärä tin whistle motiviert:)

  • #4

    Benedikt SAC Bergfüher (Dienstag, 09 Mai 2017 19:12)

    Nomall lara, ha di Truppe gfüehrt :)

  • #5

    Lara (Donnerstag, 11 Mai 2017 17:44)

    Ach Beni, you never cease to amaze me! ;)