Thailand - Land of smiles

Während mir in Vietnam noch Hühner, Büffel und Schweine auf der Strasse Gesellschaft leisteten, sind es in Thailand Affen, Warane und Schlangen, die dem Radleralltag die Würze geben und bei mir jeweils fast einen Herzinfarkt auslösen wenn sie vor mir auf die Strasse secklen. Aber zum Glück gibt's in Thailand noch viel mehr als hinterlistige Schlangen und suizidale Affen :)

 

Thailand ist eines dieser Länder, die mich nie wirklich interessiert haben. Mir schwebte immer dieses Bild von Pauschaltouristen an völlig überfüllten Stränden, besoffene und herumjohlende Engländer und Russen mit Fussballtrikot, Transvestiten an jeder Strassenecke, "Hey you, Massaaaage" für 5 Dollar und dem gelegentlichen alten Knacker mit einem jungen Thaifröilein im Kopf herum, und bis zu einem bestimmten Mass bestätigte dieses Bild auch.


Mein Hauptgrund für die Fahrt durch Thailand war etwas, auf das ich mich schon seit meiner Abreise freute. Und wie ich mich wochenlang darauf gefreut habe, denn ich hatte Besuch von zuhause :) Ich habs mir wieder mal einfach gemacht und Jonny und Beni den Blog über unsere gemeinsamen 10 Tage schreiben lassen, werft doch Mal einen Blick in den Gastblog rein!


Ausgestattet mit einem Zweimonate Visum überquerte ich am 23. Dezember die Grenze von Kambodscha nach Thailand und hatte das Gefühl, mit einer Zeitmaschine zurück ins 21. Jahrhundert geschleudert worden zu sein. Thailand ist mit Abstand das modernste Land das ich bisher in Südostasien bereist habe und ich machte fast Freudensprünge als ich kurz nach der Grenze einen 7/11 fand, dort eine Büchse Eiscaffee mit einem angeschriebenen Preis aus einem RICHTIGEN Kühlschrank nehmen konnte und zum Schluss sogar noch eine Quittung erhielt ;) Hehe das ist jetzt vieleeeicht etwas überdramatisiert, aber wer schon mal im ländlicheren Asien unterwegs war wird verstehen, was ich meine. Schon auf den ersten Kilometern merkte ich, dass mir Thailand vielleicht doch besser gefallen wird, als ich zugeben wollte und spätestens nach dem ersten Pad Thai zum Zmittag musste ich mir eingestehen "Momou, das pässlet mir auso no dahie". Es sind zum Teil kleine Unterschiede, die einen grossen Eindruck hinterlassen. Wie zum Beispiel die perfekten Strassen, die oft sogar einen Radstreifen haben, die wunderschönen, sauberen Landschaften ohne Müllberge am Strassenrand, der rücksichtsvolle Verkehr, der wie durch ein Wunder auch ohne ununterbrochenes Hupen funktioniert, oder eben ein schön kaltes Eiscaffee an einem heissen Tag, an dem die Sonne aus allen Richtungen auf die Haut bränntet :) Man glaubt es kaum, aber ich wurde während der ganzen Zeit in Thailand nur einmal böse angehupt, und zwar 50 Meter nach der Grenze, als ich fröhlich vergass, dass hier Linksverkehr herrscht und ich mich fragte, warum der lichthupende 40-Tönner auf der falschen Strassenseite auf mich zudonnert. Ich habe den Linksverkehr seither nie mehr vergessen ;)

 

Und dann war plötzlich schon Weihnachten. Ich konnte es glauben, es war doch erst gerade noch 1. März und jetzt ist schon Weihnachten! Es war das erste Mal, dass ich Weihnachten alleine verbrachte, aber Chanthaburi war eine schöne Stadt um heilig Abend zu verbringen und so schlug ich mir auf dem tollen Nachtmarkt den Bauch mit einer gefühlten Tonne Pad Thai, Reis mit Curry,  Tintenfisch am Spiess, frittierten Bananen usw voll. In Chanthaburi lebt auch eine grosse katholische Gemeinde von ausgewanderten Vietnamesen, welche hier die grösste Kirche Thailands gebaut hatten und an heilig Abend ein Konzert vor der Kirche veranstalteten. Ich wusste gar nicht, dass die hier so eine Fete zu Ehren von Jesus's Geburi veranstalten, das ging ja christlicher zu und her als bei uns :) Es war jedenfalls ein lustiges Erlebnis, in kurz Hosen und T-Shirt einem vietnamesischen Chor in weissen Engelskostümen zuzuhören, wie sie Jingle Bells singen und die Lichtshow zu sehen, die bei knapp 30 Grad Aussentemperatur Schneeflocken auf die Kirchenfassade projezierte :)

 

Nachdem ich mich einmal quer durch Chanthaburi gefressen hatte, gings über tolle Nebenstrassen der Küste lang weiter in Richtung Bangkok. Sogar die kleinen Landstrassen hatten oftmals einen Radstreifen und einen gelegentlichen "Bike-Stop", wo ich mir ein Eiscaffee gönnen konnte. Dann war es soweit und der Moment, auf den ich mich schon lange gefreut hatte war da. Es war unglaublich schön, meine Freunde, Brüder und Familie wieder in die Arme zu nehmen und Zeit mit ihnen verbringen zu können. Wie schon erwähnt wird hierzu ein eigener Blog von Jonny und Beni geschrieben, so habt ihr etwas Abwechslung was die Autoren angeht :) Nach 10 wunderbaren Tagen gings schliesslich weiter nach Bangkok, und obwohl ich mittlerweile schon in dutzende Grossstädte gefahren bin, sorgte die sechsspurige Strasse nach Bangkok für ein paar zusätzliche Liter Adrenalin-Schweiss. Während der fünf Tage in Bangkok konnte ich mich nicht so recht entscheiden, wie ich jetzt weiter will. Einerseits wäre Nordthailand, Laos oder Myanmar sicherlich toll gewesen, andererseits hätte ich auch problemlos in einen Flieger steigen und nach Hause fliegen können, weil mich mein Besuch wieder mal daran erinnerte, wie fest ich meine Familie und Freunde eigentlich vermisst habe. Aber es konnte ja nicht sein, dass dies bereits das Ende der Reise war, dazu habe ich immer noch zu viel Energie in den Wadli ;)  Schlussendlich entschied ich mich nach langem Hin und Her, durch Südthailand und Malaysia bis nach Singapur zu fahren und von dort an meinem Reiseziel, nach Japan zu fliegen. Den letzten Abend in Bangkok verbrachte ich mit einem pensionierten, etwas schrägen Amerikaner und einem pensionierten, nicht ganz so schrägen Schweden in einer tollen Bar namens "I hate Pigeons" und es war richtig amüsant die Geschichten über Militärurlaub in Pattaya während des Vietnamkriegs und sonstige Geschichten über Thailand zu hören :)

Trotz der Warnungen von allen Seiten, den Süden Thailands wegen des schlimmen Unwetters und der Überschwemmungen zu meiden, fuhr ich einfach mal los mit dem Hintergedanken, dass ich ja immer noch umkehren kann wenns gar nicht mehr gehen sollte. Die eingebrochenen Brücken und defekten Strassen wurden laut einer Medienmitteilung wieder geflickt und so kam ich am ersten Tag problemlos nach Samut Songkhram, wo es einen herzigen Markt an den Bahnschienen gibt und der heranfahrende Zug für ein richtiges Spektakel mit hunderten drängelnden, fotohungrigen Touristen sorgt. Ich liess es mir natürlich auch nicht nehmen, ein, zwei Föteli vom Zug zu machen, ist ja auch ein tolles Sujet :) Anschliessend gings im Zickzack auf ruhigen Nebenstrassen durch die Salzfelder nach Hua Hin, dann weiter durch wunderschöne Nationalparks nach Prachuap Khiri Khan, durch die von Überschwemmungen geplagte und teilweise zerstörte Gegend um Bang Saphan, wo der weggeschwemmte Abfall bis zu zwei Meter hoch in den Bäumen hing und erahnen liess, wie schlimm die Menschen hier vom Unwetter betroffen waren, und anschliessend zwei Tage unter einer ununterbrochenen Freiluftdusche nach Chumphon. Zeitweise fühlte es sich an, als würde ich unter einem Wasserfall velofahren, aber irgendwie genoss ich dieses Monsun Wetter, denn ich hatte die Strasse durch diese schöne Landschaft praktisch für mich alleine (Fotos davon gibts aus technischen Gründen leider nicht ;) Auf dieser Strecke musste ich auch mal für eine kurze Zeit auf den Highway ausweichen, weil die Nebenstrassen immer noch geflutet waren. Der freundliche Herr an der Verzweigung meinte "Now you follow the Highway for 14 km and then you turn left into the secondary road. But be careful, maybe you die". Aha, merci :) Wie ihr euch vermutlich denken könnt bin ich dann doch nicht ge-died und es war eigentlich sogar ganz angenehm auf dem fast leeren Highway zu fahren. Aber auf den Nebenstrassen ist es halt einfach schon schöner, gell :)

Ab Chumphon wechselte ich dann die Küste und fuhr zum ersten Mal seit Europa wieder an einer Westküste, wo ich abends den Sonnenuntergang über dem Meer sehen konnte. Auf dem Weg von der Ost- zur Westküste kam ich auch am südlichsten Punkt von Myanmar vorbei, wo ich stellenweise nur 20 Meter über den Fluss hätte schwimmen müssen um nach Myanmar zu gelangen. Ich habs dann schlussendlich doch sein lassen, ich wollte ja nicht von Piranhas oder Krokodilen gefressen werden und dadurch den freundlichen Herrn von der Umleitung bestätigen ;) Von hier an war die Strecke nicht mehr nur schön, sondern wunderschön und spätestens jetzt verstand ich, warum Thailand ein so beliebtes Reiseziel ist. Auf der Strecke in Richtung Süden traf ich erstaunlicherweise kaum auf andere Touristen und in den kleinen Dörfern gab es plötzlich mehr Moscheen als buddhistische Tempel. Als ich mal an einer Moschee vorbeifuhr war das Timing perfekt und aus den Lautsprechern des Minaretts schrie mir eine Stimme "Allah Akbar" entgegen, worauf ich vor Schreck fast in ein parkiertes Auto gefahren wäre. Ich freute mich aber auf das muslimisch geprägte Südthailand, denn wie ihr vielleicht von meinen letzten Blogs wisst habe ich in Islamischen Ländern immer nur tolle Erfahrungen gemacht und die freundlichsten Menschen kennen gelernt. Das war auch hier so und während mir weiter im Norden gelegentlich mal ein Thumbs up aus einem vorbeifahrenden Auto gegeben wurde, so wurde ich hier ständig angelächelt, ältere Fraueli und Manndli winkten mir zu und Kinder riefen wieder Hello wenn sie mich kommen sahen. Hier wird auch wieder vermehrt gehupt, aber nicht um mir zu sagen "mach di vom Acker", sondern um mir mit dem breitesten Grinsen aus dem Auto heraus zuzuwinken :) Die Mehrheit der Frauen trägt hier ein Kopftuch und manchmal sogar einen Vollschleier, aber meist sind es die Frauen die am aufgeschlossensten sind und mich über meine Reise ausfragen. Was ich immer besonders witzig finde, ist wenn in einem 7/11 eine Muslimin von einem Transvestit bedient wird, aber die sind sich ja wohl mittlerweile gewohnt ;)

In Phang Nga ging ich dann auf eine Bootstour durch den Nationalpark, welcher wieder mal in die Kategorie "Oh mein Gott, ich finde keine Worte um es zu beschreiben" fällt, drum schaut euch einfach selbst die Fotos an :)

Weiter gings nach Krabi, wo ich erneut einen Bootausflug machte. Diesmal zum Railay Beach, welcher zwar nicht auf einer Insel ist, aber von Felsen umschlossen ist und nur mit dem Boot erreicht werden kann. Dieser Strand wird regelmässig als einer der schönsten der Welt aufgeführt und abgesehen von den Touristenmassen war es wieder mal traumhaft schön. Mit einer Amerikanerin und einer Deutschen machte ich einen kleinen Wanderausflug zur Princess Lagoon, welche von einer etwa 100 Meter hohen Felswand umschlossen ist und man sich wie in einer verlorenen Welt vorkommt. Es war unglaublich toll, auf dem Rücken im Wasser zu treiben und nach oben durch die Felsen hindurch in den Himmel zu schauen. In diesem Moment hatten wir das Gefühl, dass diese kleine Welt für diesen Augenblick nur uns gehört und es war wieder mal ein wunderschönes Erlebnis :)

Die letzten paar hundert Kilometer führten wieder durch unglaublich grünen Dschungel und entlang aus dem Boden schiessenden Felsen, welche für einen wunderschönen und abwechslungsreichen Abschluss in Thailand sorgten. Wie schon so oft weiss ich im Nachhinein mehr über dieses Land und obwohl so quasi alle meine Vorurteile über Thailand bestätigt wurden, so gibt es doch unglaublich viele, unglaublich schöne Sachen und Orte in Thailand! Ich hatte eine tolle Zeit und werde vermutlich auch hier nicht zum letzten Mal gewesen sein :)

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Kommentare: 4
  • #1

    Mam (Freitag, 03 Februar 2017 11:44)

    Ciao George... wie haben wir uns auf deinen neuen Blog gefreut...und es war jede Zeile wert...so spannend... und ich vergesse oft den Mund wieder zu schliessen :-)
    Bis gespannt auf den Gast Blog von Beni & Jonny :-)
    Ich freue mich riesig dich in Irland in die Arme nehmen zu können....
    Ly Mam

  • #2

    steiner thérèse (Freitag, 03 Februar 2017 14:05)

    Hi George
    Es ist unglaublich, Deinen spannenden Blog zu lesen.!
    Wieso " hocken " wir immer in Thun ????
    Wenn ich Deinen Erlebnisbericht lese, denke ich für mich, hoffentlich
    schreibt der George noch lange, Du schreibst soooo spannend!
    Also weiterhin gute und Pannenfreie Fahrt.
    Liebe Grüsse Thérèse und Hansueli

  • #3

    Grosi (Samstag, 04 Februar 2017 17:11)

    Lieber George,das ist ja wieder ein grossartiger,spannender Reisebericht, mit dem du uns Daheimgebliebenen an deiner wahnsinnig .spannenden Reise teilhaben lässt. Super interessant und wir fühlen mit dir ,! Du schreibst einfach grossartig und wir kriegen nie genug, freue mich jetzt schon auf den nächsten Blog. Aber erstmal guten Flug nach Japan und viel Glück. Liebste Grüsse Grosi u Rene

  • #4

    Stefan schenk (Mittwoch, 08 Februar 2017 08:11)

    Sälu George.
    Von deinem ex arbeitsgspänli Fäbu Liechti erfuhr ich von deinem Blog. Du solltest, wenn du wieder daheim bist, ein Buch schreiben oder Vorträge halten, wenn nicht wäre es verschwendung von deinem Talent als Geschichtenerzähler! Weiter so.

    Schade hast du es nicht bis Myanmar geschafft. Wir waren im Oktober 3 wochen dort gewesen. Traumhaft. Und die freundlich-und herzlichkeit sucht seinesgleichen. Myanmar wäre genau dein ding gewesen! Cheers