Einmal quer durch Vietnam

Grüner Dschungel, eindrückliche Karstfelsen, riesige Höhlen, kleine Holzdörfer, Ho Chi Minh Statuen, stickige Grossstädte, gemütlich schmatzende Schweine, Büffel und Hühner auf den Strassen, Reisfelder soweit das Auge reicht und eine wunderschöne Küste, gespickt mit gutem Essen und herzlichen Menschen, ja das ist Vietnam. Es ist nicht nur die Landschaft, die dieses Land so faszinierend macht, es sind vor allem die Menschen mit ihrer positiven und fröhlichen Einstellung, die mir beim Vorbeifahren immer wieder ein herzliches Lächeln schenken und Xin Chau zurufen. Besonders toll ist es, an einer Schule vorbei zu fahren! Dann heisst es kurz Luft holen und los gehts; hunderte Kinder winken mit dem Peace Zeichen und schreien Hello und natürlich will jedes Einzelne ein Hello zurück. Phuu da komm ich manchmal ganz schön ausser Atem J

 

Die berüchtigte Ho Chi Minh Road wurde bereits im amerikanischen Krieg, wie er hier genannt wird, zum Transport von Gütern und Truppen von der Nordhauptstadt Hanoi bis in die 1700 km entfernte Südhauptstadt Saigon benutzt und führt durch das bergige Hinterland Vietnams. Mittlerweile wurde diese Strasse durch eine Hauptstrasse abgelöst, welche mit ihren vier Spuren den Grossteil des Verkehrs durch die flacheren Gegenden führt. Von Ninh Binh im Norden fuhr ich auf dieser Ho Chi Minh Strasse weiter und war sofort von einer ruhigen und wunderschönen Landschaft umgeben, wo die Frauen mit ihren charakteristischen runden Strohhüten auf den Feldern arbeiteten und die Männer die Büffel über die Felder führen oder in einem der unzähligen Bäche und Flüsse Fische fangen. Im Norden Vietnams war jetzt Trockenzeit und so hatte ich meist tolles Wetter und meine Arme und Beine wurden immer Brauner. Es ist irgendwie witzig, wie wir im Westen es toll finden, Braun zu werden, während sich die Menschen hier in Vietnam oder ganz allgemein in Asien komplett vermummen, um so weiss wie möglich zu bleiben. So sieht man Männer und Frauen bei fast 40 Grad mit langen Hosen, Jacken und Handschuhen herumlaufen, um sich vor der Sonne zu schützen, während ich am liebsten all meine schweissdurchtränkten Kleider ausziehen würde, um mich ein bisschen abzukühlen. Nach einigen Tagen auf dieser wunderschönen Strecke erreichte ich den Ke Bang National Park, wo vor einigen Jahren die grösste Höhle der Welt und noch viel mehr kleinere Höhlen in den eindrücklichen Karstfelsen entdeckt wurden. Leider war die grösste Höhle, die Son Doong Cave, geschlossen und so brach ich am nächsten Tag mit dem Velo auf, um mir zwei andere Höhlen anzusehen. Auch diese Höhlen waren echt eindrücklich und in der Dark Cave machte es besonders Spass, mit einer Zipline über den Fluss zu rauschen und in der dunklen Höhle durch das schwarze Wasser zu schwimmen. Am Tag darauf mietete ich mir einen Roller und weils so schön war fuhr ich die 50 Kilometer, die ich am Vortag mit dem Velo durch den Park gemacht hatte, gleich nochmal J Botz heieiei da wurde mir tatsächlich grad ein bisschen schwindlig bei diesem Tempo, das bin ich mir gar nicht mehr gewöhnt. Aber nach kurzer Zeit hatte ich einen solchen Spass daran, dass ich nur noch mit Vollgas über die Strassen donnerte und mich fragte, warum ich nicht einfach mit einem Roller weiterreise. Was mir aber besonders auffiel war, dass man beim Vorbeifahren auf einem Roller nicht mehr gegrüsst wird und niemand mehr winkt, weil man einfach zu schnell unterwegs ist. Nun gut, schlussendlich reise ich ja nicht, damit mir so viele Leute wie möglich zuwinken. Aber es ist auch so, dass die Nähe zu den Leuten einen grossen Teil von einer Veloreise ausmacht und mir einen viel spannenderen Einblick in das Leben der Menschen gewährt, was diese Art des Reisens erst so richtig interessant macht. Nach einigen Kilometern chroste es plötzlich im Roller und fertig wars mit über die Landstrasse brettern. Ich habe mein Velo auch schon einige Male schieben müssen, aber einen Roller über mehrere Kilometer zu schieben macht nicht wirklich Spass. Irgendwie scheint alles mit zwei Rädern früher oder später in die Brüche zu gehen, wenn ich es anfasse J Das Fahren war aber trotzdem ein lustiges Erlebnis und ich schätze es wieder umso mehr, dass ein Velo im Grunde ein richtig simples und leichtes Fahrzeug ist.

 

 

Von hier an fuhr ich auf der östlichen Ho Chi Minh Road nach Hue, der ehemaligen Kaiserstadt Vietnams. An den Strassen stehen oft kleine Stände, wo man sich einen «Töff» Helm für etwa 10 Franken kaufen kann. Zum Beispiel einen gelben Bauarbeiterhelm, einen Helm aus Leder, oder vielleicht doch eher einen alten GI oder Viet Cong Helm? Es sieht immer echt lustig aus, wenn alte Männer (vor allem in Nordvietnam) auf ihren Rollern einen amerikanischen Helm tragen, welchen sie vermutlich selbst ergattert hatten und nun trophäenmässig durch die Gegend chauffieren. Und umso lustiger ist es, dass diese alten Männer mit den amerikanischen Helmen meist am breitesten Lächeln und am freundlichsten Grüssen, wenn sie an mir vorbei fahren J Unterwegs kam ich auch immer wieder an Minenräumungsgebieten vorbei, wo Schilder mit Totenköpfen davor warnen, die Strasse zu verlassen und internationale Hilfswerke die langwierige Räumungsarbeit verrichten. Ich dachte eigentlich, dass die Gefahr hier längst gebannt ist, aber auch 40 Jahre nach dem Krieg sterben hier immer noch jedes Jahr Menschen durch Tretminen. Ich sehe auch alle paar Tage wieder Menschen, denen ein Bein oder ein Arm fehlt, was einen echt nachdenklich und traurig stimmt. Ich glaube in dieser Gegend werde ich wohl eher nicht zelten ;) Wobei das mit dem Zelt so eine Sache ist. Seit ich in Vietnam bin habe ich kein einziges Mal mehr im Zelt geschlafen, weils nachts einfach zu heiss war und man in praktisch jedem Dorf ein billiges Zimmer in einem Nha Nghi findet. Nicht selten teile ich mir das zwar mit Kakerlaken, die unter meinem steinharten Bett herumsecklen und das Wasser zum Duschen ist auch selten warm, aber wenn man sich die dreckigen Bettlaken ansieht könnte man das Duschen sowieso grad ganz sein lassen. Ja auf so einer Reise wird man ziemlich unzimperlich J

 

Der Wolkenpass südlich von Hue liegt ziemlich genau in der Mitte Vietnams und bildet die Wetterschiede dieses Landes. Während im Norden die Trockenzeit herrscht, kommt im Süden langsam aber sicher der Winter resp. die Regenzeit. Der Pass selbst ist nicht wirklich hoch oder steil, aber als ich oben ankam war ich so verschwitzt, dass ich von anderen Touristen gefragt wurde, ob ich mit den Kleidern baden gegangen war. Von hier an gings in die Altstadt von Hoi An, welche für ihre herzigen gelben Häuschen, die Handgemachten Laternen und die unzähligen Schneidereien bekannt ist, die einem für ein paar Fränkli einen massgeschneiderten Anzug oder auch sonst alles hinzaubern, was man sich wünscht. Und da ich mir schon lange eine kurze Hose mit Wassermelonen und Ananas Muster wünschte, gönnte ich mir auch wiedermal was Neues zum Anziehen J  Auf Vietnamesisch heisst Wassermelone übrigens Yua und Ananas Yua, ist gar nicht mal so einfach auseinander zu halten ;) Aus den geplanten zwei wurden schlussendlich vier Tage und im Hostel lernte ich einige tolle Leute kennen, mit welchen ich die Stadt anschaute, am Strand baden ging und eine super Halloween Party verbrachte. Da es nirgends Halloween Kostüme oder Make Up gab, gingen wir einfach alle zu einer Schneiderin und liessen uns etwas zusammen schneidern, was schlussendlich zum Brüllen komisch aussah J

 

Ab Hoi An fuhr ich nicht mehr auf der Ho Chi Minh Strasse weiter, sondern suchte mir den Weg auf kleinen Küstenstrassen in Richtung Süden. Ab und zu musste ich auch auf die Hauptstrasse ausweichen, was mich durch das ständige, ununterbrochene Gehupe an den Rand des Wahnsinns trieb und ich das Gefühl hatte, dass ich mich beim nächsten Hupen in eine Irrenanstalt einliefern lassen muss :P Einmal Hupen reicht übrigens nicht, es müssen dann schon mindestens 10 Mal sein bevor man mich überholt hat, und das bei jedem einzelnen Fahrzeug das eine Hupe hat... Manchmal fragte ich mich, ob die alle von einem Dämon besessen sind oder sonst einfach einen Knick in der Fichte haben, aber schlussendlich bin ich ja derjenige der sich anzupassen hat und so atmete ich einfach ein paar Mal tief durch wenn ich wieder mal kurz vor einem Nervenkollaps bin. Auf dem Weg nach Qui Nhon wurde ich dann eine Woche lang verregnet und da ich sowieso immer völlig nass war liess ich es schlussendlich mit den Regenkleidern gleich ganz sein. Die Vietnamesen haben sich perfekt an dieses Regenwetter angepasst und werfen sich einfach kurz den Regenponcho über, wenns mal wieder Schüttet wie aus Kübeln. Meine Kleider wurden jedenfalls nie mehr wirklich trocken und nach einer Weile hatte ich nur noch nasse Sachen übrig. Ist gar nicht mal so angenehm, morgens in nasse Kleider zu schlüpfen, aber es gibt ja Schlimmeres J Unterwegs verklemmte sich plötzlich mein rechtes Pedal, worauf ich zum Treten mehr oder weniger nur noch das linke Bein brauchen konnte. Nach mühsamen 40 Kilometern fand ich dann ein kleines Handwerkerlädeli, wo ich das teuerste Pedal für CHF 1.50 kaufte und zusammen mit der Besitzerin versuchte zu montieren. Nach einer Weile mussten wir jedoch aufgeben, da es durch den Schlamm und Dreck zu sehr verklemmt war. Aber keine Bange, die Verkäuferin kennt da einen Mechaniker für alles, der mir sicherlich helfen könne. So schloss die Verkäuferin kurzerhand den Laden und führte mich ein paar hundert Meter weiter in eine Seitengasse, wo ein altes Manndli in einem kleinen Raum zwischen herumliegendem Werkzeug eine Plastikabdeckung für einen Roller lackierte. Nachdem er gemütlich fertig lackiert hatte schaute er sich mein verklemmtes Pedal an, dann das neue, dann schien er mich auf Vietnamesisch zu fragen, ob ich allen Ernstes mein teures Original gegen diesen billigen Fusel austauschen will. Naja, eigentlich nicht, aber was bleibt mir anderes übrig. Beim letzten Mal hat mir der Mechaniker auch einfach ein neues Pedal montiert, da das andere angeblich unflickbar war. Das Manndli schüttelte den Kopf, grübelte in seiner Werkzeugkiste und machte sich ans Werk. Ich konnte es kaum glauben, aber innert 30 Minuten nahm er seelenruhig das ganze Pedal auseinander, reinigte jedes Teilchen, ersetzte vorsichtig jedes einzelne defekte Kügelchen des Lagers und übergab mir anschliessend mein Velo, welches nun wieder ein voll funktionierendes Pedal hatte J Und das alles für CHF 1.50! Danach meinte er, ich soll kurz warten, schnappte sich das neu gekaufte Pedal, fuhr mit seinem antiken Velo zum Laden wo ich es gekauft hatte und brachte mir das Geld zurück, das ich dafür bezahlt hatte. Haha das ist doch einfach unglaublich, oder? J

 

Nach ein paar Tagen im Regen kam ich schliesslich in Qui Nhon an, wo ich in einem kleinen Fischerdorf etwas ausserhalb der Stadt ein tolles Hostel fand und zwei Tage lang das Meer genoss. Am zweiten Abend fühlte ich mich dann richtig übel und hatte zum zweiten Mal innert einer Woche Fieber und Schüttelfrost. In der Nacht konnte ich kaum schlafen und als es am nächsten Morgen immer noch nicht besser war entschied ich mich etwas widerwillig, im nächsten Spital einen Malaria Test zu machen. Andi aus Biel fuhr mich netterweise mit seinem Motorrad zum Spital und wartete eineinhalb Stunden mit mir auf das Ergebnis des Bluttests, was ich super nett von ihm fand. Ich war mir eigentlich sicher, dass es nur eine normale Grippe oder Erkältung war, aber die Ärztin meinte dann, dass ich das Dengue Fieber habe und fünf Tage im Spital bleiben müsse. Na toll, das hat mir gerade noch gefehlt. Ich verabschiedete mich von Andi und hatte ganz schön den Ansch*ss, denn fünf Tage in einem vietnamesischen Spital herumzuliegen gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingshobbies. Das von Stechmücken übertragene Dengue Virus ist zwar nicht so gefährlich wie Malaria und ist meist nach 10 Tagen wieder vorüber, aber in einigen unbehandelten Fällen kann es tödlich enden und so war es wahrscheinlich trotz meines Widerwillens nicht schlecht, dass ich im Spital behandeltet wurde. In den nächsten drei Tagen gings mir tagsüber meist gar nicht so schlecht, nachts hatte ich aber immer wieder starkes Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen und Gliederschmerzen. Was ich nicht wusste, ist, dass es in vietnamesischen Spitälern nichts zu essen gibt und die Patienten abgesehen von der medizinischen Betreuung von ihren Familien versorgt werden müssen. Aber jetzt erlebte ich wieder Mal etwas Unglaubliches. In den nächsten drei Tagen wurde ich jeden Tag mehrmals von den zwei Mitarbeiterinnen des 12 Kilometer entfernten Hostels besucht, welche mir jeweils Essen und Kokosnüsse zum Trinken mitbrachten, sich stundenlang mit mir unterhielten und mit mir darüber lachten, dass ich nach 12`000 km auf dem Velo wegen einer kleinen Mücke ins Spital musste. Die Krankenschwester schnautzte mich zwar immer etwas mürrisch an, wenn sie die Kokosnuss- und Krebsschalen vom Mittagessen aufräumen musste, aber dafür hatte ich etwas leckeres zu essen ;) In diesen drei Tagen lernte ich auch mehr Vietnamesisch als in dem ganzen Monat zuvor J Nach drei Tagen durfte ich dann früher als geplant das Spital wieder verlassen und als ich mich bei den Mädels bedankte meinten sie, dass das doch selbstverständlich sei und wer sich den sonst um mich gekümmert hätte. Das hat mich unglaublich gerührt und ich konnte es kaum fassen, dass ich immer wieder auf so liebenswürdige Menschen treffe, welche ihre Freizeit für mich opfern, mir zu Essen bringen und im Gegenzug nichts dafür verlangen. Nachdem ich das Spital verlassen konnte blieb ich noch zwei weitere Tage in diesem schönen Strandhostel und am letzten Abend wurde ich von den Mädels noch zum Znacht und Dessert in der Stadt eingeladen. Ich wollte mich ja eigentlich mit dem Essen revanchieren, aber nee, ist schon alles bezahlt. Der Abschied fiel mir wiedermal richtig schwer, aber wenn ich bis Weihnachten in Thailand sein will darf ich jetzt leider nicht mehr allzu fest plämperlen. Ich hoffe, dass ich sie eines Tages wieder besuchen kann und mich auch nur ansatzweise für all das revanchieren kann, was sie mich getan haben.

 

 

In den folgenden Tagen fuhr ich auf brandneuen einsamen Küstenstrassen immer weiter gegen Süden und genoss das schöne Wetter und die atemberaubende Küstenlandschaft. Dank meinem vietnamesisch Unterricht verstand ich jetzt sogar das Eine oder Andere und konnte mich tatsächlich ein bisschen mit den Leuten unterhalten. Ab und zu kam ich auch wieder an einem Touristenort wie Nha Trang vorbei, wo die Menükarten für die Horden von russischen Touristen sogar auf kyrillisch angeschrieben sind und ich war immer wieder froh, wenn ich diese Orte so schnell wie möglich wieder verlassen konnte. Das ist das absolut Tolle an einer Veloreise und je länger ich unterwegs bin, desto mehr schätze ich diese Freiheit und die Möglichkeit, mit dem Velo an Orte zu fahren, wo sonst niemand hingeht. Manchmal überlege ich mir während der Fahrt stundenlang, was ich bereits alles erlebt habe und wie toll es ist, dass ich all das alles erleben konnte und immer noch so viel vor mir habe. Meist sind die interessanten Orte doch dort, wo das Leben der normalen Menschen stattfindet und nicht dort, wo alles nach dem Geschmack der Touristen präpariert wurde und es zum Znacht genau dasselbe gibt wie zuhause. Nicht, dass ich etwas gegen einen gelegentlichen Hamburger hätte, aber ich glaub ihr seht was ich meine. Ich werde oft von anderen Reisenden gefragt, obs mir denn nicht langweilig wird und obs denn nicht viel zu hart sei, alleine mit dem Velo zu reisen. Im Gegenteil, ich wache fast jeden Tag an einem anderen interessanten Ort auf und sehe jeden Tag etwas Neues, eine neue Landschaft, neue Menschen, neue Kulturen. Klar ist nicht jeder Tag gleich spannend und anfangs wars auch nicht immer einfach, alleine unterwegs zu sein. Aber man lernt, sich mit wildfremden Menschen zu unterhalten und dann merkt man, dass die allermeisten Menschen richtig sympathisch und interessiert sind und manchmal sogar einen fremden Menschen wie mich zum Essen einladen. Die Menschen kommen auf mich zu, wollen wissen, was ich da mache, und wollen mehr über meine Reise erfahren. Kürzlich wurde ich von einem jungen Vietnamesen gefragt, warum ich mir das antue, mit meinem Velo in dieser brütenden Hitze zu herumzufahren, wenns doch auch einen Bus oder Zug gäbe. Ja warum eigentlich? Weil es die tollste, interessanteste und erfüllendste Art des Reisens ist, die ich mir vorstellen kann und ich bin mir sicher, dass auch andere Leute genauso viel Spass daran hätten wenn sie es nur versuchen würden! Uii jetzt bin ich grad ein bisschen abgeschweift, weiter gehts mit Südvietnam ;)

 

 

Abgesehen von einigen kurzen Abstechern auf die Hauptstrasse konnte ich nun fast durchgehend auf einsamen Küstenstrassen fahren, wo ich ausser ein paar einzelner Roller die Strassen für mich alleine hatte und diese wunderschöne Landschaft ohne hupende Lastwagen geniessen konnte. Nur wenn irgendwo gerade die Schule aus war teilte ich mir die Strasse mit hunderten velofahrenden Kindern und los gings wieder mit Hello und Winken J Die ganz Kleinen werden oft zu fünft auf den Roller eines Papas gesetzt und nachhause gefahren und ich kann mir grad vorstellen wie das Gespräch zwischen Schweizer Eltern ablaufen würde…

 

Housi: Du los eis Fridu, chasch du hüt äch üser 5 Goofä vor Nachbarschaft ir Schuel ga abholä? Weisch, mir machä hüt ä chli lenger im Chörli und d Frou het gwüss o grad ke Zyt.

Fridu: Los itz eis Housi, i bi grad am Jassä und i ha i mim Outo auso weissgott nur Platz für drü Ching. U gnueg Chindersitzli hani scho grad gar nid, das git numä Lämpä mit dr Schmier. Frag mau üsä nöi Nachbar vo Vietnam, dä het öppä scho Zyt.

Housi: Du Nguyen, wi gseht bi dir us mit Ching abholä?

Nguyen: Aber klar doch, ich habe ja einen Roller, da passen locker auch sechs Kinder drauf.

Housi: Ou super, da bini itz auso scho no froh! Hesch gnueg Heumä für d Goofä?

Nguyen: Helme? Ach was, Kinderköpfe sind doch wunderbar elastisch.

 

Die Vietnamesischen Dörfer haben meist einen Dorfplatz mit einem Markt, wo sich Kreti und Pleti zur Mittagszeit versammelt und zusammen Banh Mi, Bunh Bo oder Pho Ga isst. Und in jedem Dorf steht irgendwo noch eine Ho Chi Minh Statue und ein Kriegsdenkmal mit unzähligen Namen von Soldaten und Zivilisten, die während des Indochina- und Vietnamkriegs gefallen sind. Es läuft mir immer wieder kalt den Rücken runter, wenn ich all die eingravierten Namen sehe, vor allem wenn man bedenkt, dass viele davon auch Frauen und Kinder waren, die absolut nichts mit dem Krieg zu tun hatten.

 

Was man auch immer wieder sieht, und damit meine ich auch im hinterletzten Dorf in der hinterletzten Pampa, sind Karaoke Lokale. Wie in Südchina ist Karaoke auch die lieblings Freizeitbeschäftigung der Vietnamesen und lasst euch sagen, es hört sich sogar noch schlimmer an als in China! Da höre ich lieber 24 Stunden lang ununterbrochen Daniel Küblböck als auch nur eine Minute diesem Gesang zuzuhören. Echt jetzt, wenn es eine Schrecklichkeitsskala gäbe würde ich es zusammen mit dem ständigen Gehupe auf Platz 1 setzen. Und meist sind die riesigen Lautsprecher nicht etwa gegen das Innere des Lokals gerichtet, sondern dröhnen mit voller Lautstärke raus auf die Strasse. Ich hab mal auf einer 10km Strecke gezählt, wie viele Karaoke Lokale an der Strasse stehen. 22! Auf 10 Kilometer! Und das war noch nicht mal in einer Stadt, das war auf einer Landstrasse. Dasselbe gilt auch für Hochzeiten. An den Wochenenden wird überall geheiratet und in jedem Dörfchen gibt’s mindestens ein Geschäft, wo man alles für die perfekte Hochzeit kaufen kann. Die Hochzeiten finden meist in grossen Pavillons statt, die direkt an der Strasse aufgestellt sind und wieder mit einer unglaublichen Lautstärke dieses Katzengejammer abspielen, so dass man beim Vorbeifahren fast taub wird. Es sieht jedenfalls witzig aus, wenn alle zusammen im Zelt höcklen und kein Wort miteinander sprechen, weils einfach zu laut ist J

 

 

Die Küstenstrasse nach Ho Chi Minh City, oder auch Saigon genannt, war wieder mal weltsschön und auf langen Strecken waren wunderschöne Strände wo weit und breit kein Mensch war. Wenn dann irgendwo ein Dorf am Meer ist, sind die Strände leider meist komplett vermüllt, aber etwas ausserhalb findet man wunderschöne saubere Buchten und Strände, die man ganz für sich alleine hat. Und dann kam die Einfahrt nach Ho Chi Minh City. Haha was für ein Spass J 10 Millionen Roller und ein Verkehr, der jede Achterbahn langweilig erscheinen lässt. Es ist sogar noch chaotischer als sonst in Asien und es braucht alle Sinne, um durch dieses herrliche Durcheinander zu manövrieren. Mittlerweile ist mein Fahrstil aber eher Vietnamesisch als Schweizerisch und so kam ich ziemlich locker ins Zentrum der Stadt. Wenn ich wieder zurück bin muss ich wahrscheinlich erstmal wieder die Fahrprüfung machen um mich an den gesitteten Verkehr zuhause zu gewöhnen :) In Ho Chi Minh City schaute ich mir dann das Kriegsmuseum und die Notre Dame Kirche an, ass meinen ersten Burger seit Kasachstan im Hard Rock Cafe, und wanderte durch den Markt, wo ich alle paar Meter mit «Hey Man, buy new Shoes for you, Man» angesprochen wurde. Auch die Taxifahrer, Tuk Tuk Fahrer, Zigarettenfraueli, Tourenanbieter, ach eigentlich jeder will dir etwas verkaufen. Jetzt noch schnell das Thai-Visum holen und dann schnellstmöglich wieder weiter in eine etwas ländlicher Gegend Vietnams, nämlich ins Mekong Delta!

 

 

Das Mekong Delta umfasst den südlichen Zipfel Vietnams und ist mit hunderten Bächen, Flüssen und Kanälen durchzogen. Überall stehen Kokospalmen und riesige Reisfelder und es war einfach wieder mal herrlich, durch diese ländliche Gegend mit Holzhäuschen mit Blätterdächern zu radeln. Über unzählige Brücken gings weiter Richtung Kambodscha und ab und zu, wo der Fluss zu breit war, endete die Strasse einfach und dann gings mit der Fähre rüber ans andere Flussufer. War aber nicht so teuer, kostete 10 Rappen pro Überfahrt J Plötzlich war ich am Punkt angelangt, wo die Reise nicht mehr weiter nach Süd-Osten geht, sonder eine Wende macht und mich nach Nord-Westen in Richtung Thailand führt. Nach ein paar Tagen war ich schliesslich in der Grenzstadt Ha Tien und meine Zeit in Vietnam war nach 2500 km nun schon wieder vorüber. Ich habe Vietnam und die Menschen hier richtig ins Herz geschlossen und unglaublich viele tolle Sachen erlebt, an die ich mich immer gerne erinnern werde. Bis bald Vietnam, es hat echt Spass gemacht J

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Mamen (Freitag, 02 Dezember 2016 10:52)

    George du bist unser aller Held... und deine Berichte sind einfach "hammermässig" spannend zu lesen... und wow! Vietnam... das muss ein unglaubliches Land sein....
    Ich denke immerzu an dich.. und wünsche dir eine wunderbare Weiterreise nach Thailand.... ahh.... zuerst noch nach Kambodscha zu Celvin :-) in Liebe.... Deine Mam

  • #2

    Benaadikt Eisenmann oder Brönnizimmer :) (Freitag, 02 Dezember 2016 14:16)

    Heei Bro! Haha i bi fasch verrekt, i gsedi gd wie du uf die huppe drücksch wie scheisse de gsang isch xD. Hocke gd a mire Diplomarbeit, u cha dank dir immer wider chli abtouche! Tönt extrem intressant! I freue mi Risig, mit dir 2 Wuche Thehailand zerläbe! Vermisse di ungloublech! Liebe Gruess usem Jass Land. Beni

  • #3

    Corinne (Freitag, 02 Dezember 2016 20:23)

    Lieber george
    Ich bin soeben abgetaucht in diese wunderbare ecke dieser welt und stellte gleichzeitig fest,dass man mich am arm picksen muss um wieder hier, in meiner gegenwart zu sein.
    Wenn das mal alles vorûber ist , musst du weitermachen ! Mit vortrâgen , diashows , bûcher und und und .. deine erfahrungen , deine geschichte , es ist so unglaublich interessant und wûrde manchen gut tun , dies auch zu erleben. In diesem sinn : keep rolling :-)