Good Morning Vietnam

Wo soll ich nur beginnen? Vietnam ist einfach super! Dies wird wieder mal eher ein Fotoblog, und ein richtig kitschiger obendrein ;)

 

Nach einer reibungslosen Einreise suchte ich mir in der Grenzstadt Lao Cai gleich ein richtig teures Hotel, um mir wieder mal ein sauberes Badezimmer mit Badewanne zu gönnen und mich einmal quer durch alle vietnamesischen TV Sender zu zappen. Die Synchronisation der Hollywood Filmen ist das Witzigste, das ich je im TV gehört habe und ich musste Tränen lachen, als Jason Statham in einer Schiessszene mit einer gleichgültigen Frauenstimme auf Vietnamesisch herumschrie :D

 

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Sapa, der Hauptattraktion im Norden Vietnams. Dieser Ort ist wegen seiner wunderschönen Reisterrassen in den Bergen und der dort lebenden Minderheiten ein beliebtes Touristenziel und ich war mir erst nicht sicher, ob ich nach all den schönen Terrassen in China nun auch noch diese anschauen soll. Aber da es nur 40 km den Berg rauf lag, wäre es schade gewesen einfach neben durch zu radeln und so machte ich mich bei herrlichem Wetter und bereits 30 Grad am frühen Morgen auf den Weg. Gleich von Beginn an gings steil bergauf und nach fünf Minuten war ich schon so bachnass, als wäre ich mit den Kleidern in einen Pool gesprungen. Die Hitze brachte mich ein bisschen an meine Grenzen und so hielt ich alle paar Kilometer an, um an einem schattigen Platz einen Liter Wasser in mich rein zu drücken. Phuu, zum Glück sinds nur 1600 Höhemeter bis oben... Unterwegs kamen mir immer wieder Kinder entgegen, welche das herzigste und ansteckendste Lächeln hatten und so fuhr ich beinahe mit einem Dauergrinsen diesen Hügel rauf :) Auch die Landschaft war einfach atemberaubend (gibt’s eine Steigerung von atemberaubend?) und ich konnte kaum mehr als fünf Minuten am Stück fahren, ohne mich irgendwo hinzusetzen und diese Szenerie zu bestaunen. Vielleicht lags auch daran, dass ich alle fünf Minuten eine Pause brauchte, aber einigen wir uns auf Szenerie bestaunen ;) Manchmal beneide ich die Touristen ein Bisschen, die gemütlich mit dem Bus den Berg hochfahren, während ich mir bei 38 Grad, 90% Luftfeuchtigkeit und glühenden Oberschenkeln einen Abschwitze. Aber in Momenten wie diesen bin ich richtig glücklich nicht im Bus eingesperrt zu sein und die Möglichkeit zu haben, überall anzuhalten wo ich will um wunderbare Landschaft einfach zu geniessen!

 

Nach ein paar Stunden war ich kurz vor dem Dorf Sapa und konnte erstmal unfreiwillig dabei zusehen, wie ein Hund gemetzget wurde. Anscheinend sind Hunde in Vietnam eine Delikatesse und in praktisch jedem Markt kann man sich ein Stück davon kaufen. Da ich grad nicht so Lust hatte, dem Hund beim Sterben zuzuschauen, trat ich kräftige in die Pedale um weiter bergauf zu fahren. Nach der ersten Pedalumdrehung gab es einen lauten Knack im Hinterrad und fertig wars mit weiterfahren. Der hintere Wechsler war wohl schon etwas nach innen gebogen und durch den harten Tritt bog es diesen zwischen die Speichen, worauf gleich drei davon brachen. Aber damit noch nicht genug, auch der Hinterwechsler brach dabei ab und so schob ich das Velo die letzten zwei Kilometer bergauf bis zum ersten Hotel das ich fand, wo ich mir erst mal ein Bier gönnte. Den Wechsler konnte ich anschliessend selbst wieder flicken, aber dummerweise hatte ich keine Ersatzspeichen mehr und fand auch im Dorf keine. Ich wollte nicht noch mehr kaputt machen als schon kaputt war und so entschied ich mich, nicht bis nach Hanoi zu radeln sondern in zwei Tagen mit dem Nachtbus weiterzufahren. Das wurmte mich zwar gewaltig, weil ich noch den höchsten Pass Vietnams fahren wollte, der gleich hinter Sapa liegt, aber andererseits wäre ich wohl nicht sehr weit gekommen mit dem wackligen Hinterrad.

 

Das Bergdorf Sapa wurde einst als Feriensitz der französischen Kolonialherren benutzt und überall stehen so schnüselige kleine Häuschen im französischen Kolonialstil herum, die nun als Restaurants und Hotels dienen. In den Cafés wird herrlicher Kaffee serviert, der nach den kargen Monaten seit der Türkei eine wahre Wohltat ist. Am Besten schmeckt der Eiscafé mit einer gäbigen Portion gezuckerter Kondensmilch, welcher meist so dickflüssig ist, dass man ihn löffeln könnte J Das eigentliche Highlight von Sapa sind aber die unzähligen Reisterrassen die überall in den Bergen verstreut liegen, und die etwas abseits gelegenen Dörfer der schwarzen H`mong, der roten Dao und der anderen Minoritäten dieser Gegend. Ich hab im Internet gelesen, dass sich viele Touristen an den Minderheiten hier stören, weil diese ziemlich aufdringliche Verkäufer sind und oft nicht locker lassen, bis sie ihre selbstgemachte Ware an den Mann gebracht haben. Ich fand es jedenfalls köstlich, mich mit diesen Frauen zu unterhalten, die sich nach einem lustigen Gespräch mit einem Lachen und einem High Five verabschiedeten, ohne dass ich was gekauft hätte J Diese Frauen sind wirklich toll, sprechen ein hervorragendes Englisch und haben einen wunderbaren Humor, es kommt wohl einfach drauf an, wie man sich ihnen gegenüber aufführt. Während den drei Tagen in Sapa wanderte ich den zerstreuten Dörfern herum und konnte auch in die Häuser reinschauen, wo die Minderheiten leben und ihre Stoffe und Schmuck herstellen. Die schwarzen H`mong heissen übrigens so, weil sie ihre Kleidung sehr dunkel färben, während die roten Dao, naja, eben eher rot tragen. Die Landschaft war wieder mal einmalig und ich war richtig froh, dass ich diesen Ort nicht übersprungen habe. Auch hier weiss ich nicht, wie ich diese Szenerie gerechtens beschreiben soll, schauts euch einfach selbst an J

 

 

Nach drei Tagen in Sapa fuhr ich mit dem erstaunlich bequemen Nachtbus nach Hanoi, wo ich bereits morgens um vier Uhr ankam und erstmal einen dieser herrlichen vietnamesischen Kaffees suchte. Eigentlich wars gar nicht schlecht so früh schon da zu sein, denn so konnte ich mir die Stadt noch ein bisschen in Ruhe anschauen. Naja, allzu lange gings dann aber doch nicht bis die Hölle los war und ab sechs Uhr morgens war`s ein riesen Gaudi, durch diesen irren Verkehr zu fahren J Es gibt uuunglaublich viele Roller und Motorräder und im Vergleich zu China sind auch viel mehr Menschen mit dem Velo unterwegs. Meist sind es Verkäuferinnen, die ihr Velo so vollbeladen haben, dass man die fahrenden Frauen fast nicht mehr sieht und sich fragt, wie sie mit diesen Dingern noch fahren können. Hanoi ist eine echt coole Stadt mit vielen kleinen Cafés, Strassenlädeli, Nachtclubs, verwinkelten Gassen in denen man tagelang herumlaufen könnte und interessanten Sehenswürdigkeiten. Auch gegessen wird überall und zu jederzeit, am besten eine Pho Suppe oder gebratene Nudeln in einem der kleinen Strassenrestaurants, wo man auf kleinen Plastikstühlen auf dem Trottoir sitzt und für ca. 1.50 ein köstliches Essen kriegt J Im Hostel buchte ich anschliessend eine drei Tages Tour in die Halong Bay und freute mich richtig auf die bevorstehenden Tage.

 

 

 

Die Halong Bay besteht aus einer Vielzahl kleiner Inseln und Felsen, die aus dem Meer ragen und das wohl bekannteste Reiseziel Vietnams sind. Eigentlich mag ich geführte Touren nicht wirklich, aber jetzt wollte ich mal während dem Reisen ein bisschen zurücklehnen und jemand anderes die Arbeit machen lassen. Da hörte sich die «Chillout Tour» natürlich an wie ein Träumli und war sofort gebucht J Das Zimmer auf dem Schiff und in dem Bungalow teilte ich mit dem Holländer Huug, welchen ich im Hostel kennenlernte und ein richtig toller Reisegefährte war. Die Halong Bucht ist eine absolute Wucht (hehe das reimt sich ja sogar) und ich weiss wieder nicht, wie ich diese Landschaft beschreiben soll! Ich sass stundenlang auf dem Deck und genoss jede Minute, in der ich diese Landschaft anschauen konnte. In den drei Tagen tuckerlten wir mit dem Schiff gemütlich zwischen den Felsen durch, genossen das herrliche Essen an Bord, gingen schwimmen, fuhren mit dem Kayak durch diese atemberaubende Kulisse und tranken Bier im Meer, was für Huug und mich das absolute Highlight war J Komischerweise war unsere Bierrechnung immer die teuerste…

 

 

Nach zwei weiteren Tagen in Hanoi machte ich mich dann schliesslich auf, das Abenteuer Nord-Süd Durchquerung Vietnams per Göppel zu starten. Die Strecke am ersten Tag nach Ninh Binh war etwa so aufregend wie ein Glas Wasser, drum habe ich einfach eine Bildstrecke namens «Was man alles auf ein Zweirad packen kann» für euch zusammengestellt.

 

Soo, ich glaub ich habs schon wieder übertrieben mit Schreiben, drum gibt’s zum Schluss noch die Bilder vom (einmal mehr) wunderschönen Ninh Binh Park :) Und an dieser Stelle möchte ich mich wieder mal ganz fest dafür bedanken, dass ihr mir immer so tolle Nachrichten und Kommentare sendet und mir damit eine riesen Freude macht! Ich freue mich immer unglaublich von euch zu hören und bin wahnsinnig froh, so viel Unterstützung und Rückhalt von euch zu erhalten. Merci viu Mau und bis bald :)

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Kommentare: 6
  • #1

    Benedikt littel Bro Brönnimann (Donnerstag, 20 Oktober 2016 18:41)

    Einfach nur meine Worte.. Wow, Wow, Wow!!!

  • #2

    Raphi (Donnerstag, 20 Oktober 2016 19:22)

    Sehr cool gschribe und epischi Fotene! Starki Leistig!!! Witer so :-)

  • #3

    Corinne (Donnerstag, 20 Oktober 2016 22:02)

    Och das arme schwein .... ich meine wirklich diese sau auf dem roller ;-)

  • #4

    Mamen (Freitag, 21 Oktober 2016)

    .... Ich seh die welt mit neuen augen und kann nur noch staunen ......

  • #5

    Grosi u Rene (Freitag, 21 Oktober 2016 17:58)

    Lieber George, es ist schlichtweg grossartig und gewaltig was du alles erleben kannst und dass wir ein Teil davon mit dir teilen dürfen! Danke viel mal ,dass wir in diese ,uns unbekannte Welt eintauchen dürfen! Die Fotos sind gewaltig, und deine Berichte machen Süchtig ! Danke dir ,du Alleskönner! ,! Grosi u Rene

  • #6

    Giona Bachmann (Dienstag, 22 November 2016 12:49)

    Hallo, ich bin der Typ mit dem campervan von Albanien und Iran.
    Schön zu sehen das du noch unterwegs bist.. und wie gut!!! :D
    Tolle Fotos, wünsche noch eine gute weiterreise!!