Damavand Besteigung und weitere Abenteuer im Land von 1001 Nacht

 

Gastbeitrag vom ehrenwerten:

 

 

 

Liebe George Reiseblog Community, wie angekündigt folgt hier ein Gastbeitrag über meinen Besuch im Iran und insbesondere die abenteuerliche Besteigung des höchsten iranischen Berges, des sagenumwobenen Damavand (5‘671m).

 

Wie alles begann

 

Bereits vor seiner Abreise hatte ich George versprochen ihn irgendwo zwischen Matzenried und China zu besuchen, am Ende entschied ich mir für den Iran, wobei ich zugeben muss, dass mir aufgrund der Medienberichterstattungen der letzten Jahre dabei ursprünglich etwas mulmig zumute war.

Flug nach Teheran

 

Nachdem ich zwei gemütlich Tage in Dubai am Strand verbracht hatte war es soweit und ich bestieg eine amerikanische Boeing 777 mit dem Ziel Teheran. Im Flugzeug machte ich Bekanntschaft mit einem iranischen Geschäftsmann, der in der Schweiz doktoriert hatte und noch immer enge geschäftliche Beziehungen zu Unternehmen aus dem Raum Basel pflegt. Von ihm erhielt ich allerlei Ratschläge und einen ersten Eindruck der berühmten iranischen Gastfreundschaft. Unter Anderem bereite er mich auch darauf vor, dass mich aufgrund meines „iranischen Aussehens“ wohl viele Leute auf Farsi ansprechen würden – George fand das übrigens stets wahnsinnig lustig. Nach der Landung ging alles erstaunlich rasch und zu meinem Glück wollten die iranischen Zöllner nicht einmal meinen Koffer kontrollieren, dabei hatte ich mir doch bereits eine ausführliche Erklärung ausgedacht wie ich die 20 Pack schwedischen Snus erklären sollte, die George bestellt hatte. Nur wenige Meter hinter der Zollkontrolle entdeckte ich auch schon ein freundliches und vertrautes Gesicht hinter einem dichten und verfilzten Vollbart. Ich war froh George gefunden zu haben und natürlich war ich auch gespannt darauf was er alles zu erzählen hat. Er stellte mich sodann auch unserem Fahrer und Gastgeber Mehdi vor, der sowohl im Revolutionskrieg als auch im Krieg gegen den Irak gedient hatte. Auf der Fahrt nach Teheran liess er es sich daher auch nicht nehmen uns kurz das Grabmal des Revolutionsführers Ayatola Komeini zu zeigen. Die Bilder von Komeini sind übrigens allgegenwertig im Iran und sein Todestag ist ein Nationalfeiertag an dem man Teheran meiden sollte – so steht es zumindest in meinem Reiseführer. Nach einer angenehmen Fahrt auf der iranischen Autobahn, die gar nicht so schlimm war wie George behauptet hatte, kamen wir schliesslich in unserer Unterkunft an und tranken zur Feier unseres Wiedersehens erstmal ein alkoholfreies „Baltika“ Bier. Dieses Ritual sollte und die ganze nächste Woche begleiten und nach einer Weile gewöhnte ich mich sogar an den 0% alcohol malt drink, wie das alkoholfreie Bier im Iran genannt wird.

Base Camp (Tag 1)

 

Am frühen Morgen des nächsten Tages machten wir uns mit U-Bahn, Bus und Taxi auf den Weg in das kleine Dörfchen Polour, wo sich das Base Camp für die Besteigung des Damavand befindet. Die Verhandlungen mit den Taxifahrern dauerten fast eine Stunde und das bei Temperaturen um die 40 Grad. Am Ende bezahlten wir dank Georges Verhandlungstalent 350‘000 Rial bzw. 35‘000 Tumen für die Taxifahrt. In Polour angekommen kauften wir uns erstmal einen anständigen Vorrat alkoholfreies Bier und marschierten anschliessend den Hügel hinauf zum Base Camp. Dort angekommen gab es eine nette Begrüssung durch den Funktionär des iranischen Bergvereins, dem George sogar seine SAC Mitgliedskarte, welche der Funktionär offenbar für eine Visitenkarte hielt. Wir bezahlten pro Person 50 USD für Bewilligungen den Damavand besteigen zu dürfen. Darüber hinaus wurden uns auch Zimmer im Camp angeboten, auf die wir jedoch dankend verzichteten. Wir hatten schliesslich unsere tollen Zelte mitgebracht und das Abenteuer am Fusse des Damavand zu zelten wollten wir uns nicht entgehen lassen. Für eine geringe Gebühr wurde uns auch erlaubt auf dem Feld hinter dem Camp zu zelten. Wir liessen uns von den dort weidenden Eseln und Pferde nicht stören und stellten gemütlich unsere Zelte auf. Eine echt tolle Erfahrung inklusive Sternenhimmel, Lagerfeuer und Blick auf den Damavand. Während der Nacht wurden wir zwar mehrfach von Eseln und Pferden geweckt, welche übrigens erstaunlich nachtaktiv sind. Als sich zwei Esel schliesslich vor meinem Zelt zu paaren begangen fühlte sich das Ganze sogar etwas surreal an. Zum Glück hatte ich vom Flug noch ein paar Ohrenstöpsel dabei und so kam ich trotzdem zu ein paar Stunden Schlaf.

 

Camp 3 (Tag 2)

 

Am Morgen gab es einen leckeren Kaffee und frisches iranisches Fladenbrot mit Streichkäse. Das Iran Abenteuer fing an sich richtig gut anzufühlen wobei auch das Verlangen langsam grösser wurde endlich loszulaufen und mit dem Aufstieg zu beginnen. Mithilfe des iranischen Funktionärs, der uns am Vortag die Bewilligungen verkauft hatte, gelang es schliesslich einen Fahrer mit einem 4x4 Jeep aufzutreiben, um vom Base Camp bis in das 15Km entfernte Camp 2 zu fahren. Das Camp 2 befindet sich auf 3‘200m und ist der eigentliche Startpunkt für die Damavand Besteigung. Beim Camp 2 angekommen wurde uns angeboten, unsere Rucksäcke auf Maultiere und Esel zu verladen um den Aufstieg ins Camp 3 leichter meistern zu können. Wir verzichteten jedoch dankend, schliesslich wollten wir es uns nicht zu einfach machen. Der Aufstieg zum Camp 3 verlief soweit reibungslos und bescherte uns tolle Fotos der iranischen Berglandschaft. Oben angekommen wollten wir uns erstmal ein alkoholfreies Bier gönnen, doch leider hatten sie nur das hässliche einheimische Malzgetränk mit Fruchtaroma, das definitiv nicht als Bierersatz qualifiziert. Wir machten es uns also bei einem Kaffee gemütlich und sprachen auch kurz mit Mitgliedern einer Tschechischen Bergsteigergruppe, die an diesem Tag den Aufstieg zum Damavand wegen starken Windes abbrechen musste. Ursprünglich war geplant, dass wir am nächsten Tag gemächlich bis auf etwa 5000m aufsteigen und zwecks Akklimatisierung eine zweite Nacht im Camp 3 auf 4‘200m verbringen. Wir entschieden uns jedoch spontan dazu den Aufstieg direkt zu wagen und bei einem allfälligen Misserfolg zum ursprünglichen Plan zurückzukehren.

 

Gipfel (Tag 3)

 

Wir schliefen beide schlecht bzw. im Falle von George gar nicht. Offenbar bekam George beim Einschlafen nicht genügend Luft und schreckte jeweils nach luftschnappend auf. Ich selbst schlief wohl höchsten 1-2 Stunden und nachdem eine französische Gruppe um 2.00 Uhr morgens aufstand und begann einen riesen Lärm zu veranstalten, war es definitiv mit der Nachtruhe vorüber. Nach einem Kaffee und einer heissen Suppe machten wir uns schliesslich um 4:45 auf den Weg Richtung Gipfel. Wir hatten uns am Vorabend eine leichte Packung mit lediglich 1.5L Wasser pro Person zusammengestellt. Beim Aufstieg zahlte es sich für George aus, dass er die letzten 3 Monate mit dem Fahrrad unterwegs war und so lief er leichtfüssig voraus. Die Aussicht während des Aufstiegs war einfach unbeschreiblich schön, leider ist es uns nur teilweise gelungen diese tollen Eindrücke  festzuhalten aber die die Bilder lassen hoffentlich ein wenig erahnen wie schön es war. Auf ca. 5‘300M wurde es George übel und er war gezwungen eine kurze Pause einzulegen. Zur gleichen Zeit verspürte ich starke Kopfschmerzen und ein leichtes Schwindelgefühl. Es ging sogar soweit, dass wir kurz darüber sprachen ob wir den Aufstieg besser abbrechen sollten, doch irgendwie rafften wir uns wieder auf und spätestens ab dem Zeitpunkt wo wir einen freien Blick auf den Gipfel hatten gab es kein Halten mehr. Den Gipfel erreichten wir um 9:15  nach lediglich 4.5 Stunden Aufstieg, wobei die Richtzeit bei etwa 7-8 Stunden liegt. Zur Feier des Tages drehten wir gleich noch ein „Challenge Video“ auf dem Gipfel. Beim Damavand handelt es sich übrigens um einen aktiven Vulkan und vom Gipfel hat man eine gute Sicht auf den Vulkankrater, aus dem ein beissender Sulfurgeruch entweicht. Während des Abstiegs wollte George es sich nicht nehmen lassen die mitgebrachten Steigeisen auszuprobieren und so nahmen wir den etwas steileren Weg über den Gletscher. Die sogenannte „Eisenzimmerische“ Abkürzung dauerte am Ende länger als der Aufstieg aber das störte uns nicht gross. Nach einer kurzen Pause im Camp 3 machten wir uns auf den Weg ins Camp 2 und nachdem es uns schliesslich gelang einen Fahrer mit einem 4x4 Fahrzeug aufzutreiben waren wir auch schon auf dem Weg ins Base Camp. Nun machte sich langsam der Schlafmangel bemerkbar und hätte der Fahrer nicht in voller Lautstärke iranischen Pop laufen lassen wären wir wohl bereits auf der Fahrt eingeschlafen. Zurück im Base Camp gab es erstmal ein frisches alkoholfreies Bier und weil es so schön war gleich noch ein zweites. Für das Abendessen hatte sich George etwas ganz Besonderes ausgedacht. Wir erfüllten zusammen die „Fondue in der Pampa“ Challenge und genossen ein köstliches Gerber Fondue bevor wir früh zu Bett gingen.

 

 

 

Um den Rahmen dieses Blogs nicht zu sprengen ist hier Schluss mit meinem Bericht. Wir besuchten in den nächsten Tagen noch eine Wüstenstadt (Kashan), die in verblüffender Weise an den Star Wars Wüsten-Planeten Tatooine erinnert und hatten ganz generell noch eine super Zeit. Merci George! Es war ein tolles Abenteuer und ich wünsche Dir bei „Party in Almaty“ viel Spass mit Borats Schwester.

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Kommentare: 3
  • #1

    Grosi (Dienstag, 28 Juni 2016 09:56)

    Wunderschöne Bilder! ,!! Gratulieren

  • #2

    Mam (Sonntag, 03 Juli 2016 12:49)

    Wahnsinnsleistung habt ihr vollbracht! Eifach toll diese Berichte immer zu lesen! Ly Mam

  • #3

    Corinne (Montag, 04 Juli 2016 22:31)

    Ich kann mich bald nicht mehr steigern mit komplimenten an euch beide und vorallem an dich george .. Mein wortschatz ist bald aufgebraucht ;-)
    Es ist eine riesenbereicherung an erfahrungen und an erinnerungen die dir niemand nehmen kann und du wirst so reich sein an wissen ûber lânder , leute , kulturen ect . Wahnsinn !!!!!!!! Am liebsten wûrde ich einen bericht senden dass die medien nicht nur ûber diese eveline binsack schreiben :-) glg !!