Hello Iran!

Achtung, das isch ä längä Cheib ;)

 

An meinem letzten Morgen in der Türkei war herrliches Wetter und ich entschloss mich kurzerhand, meine letzten Türkischen Lira zu verschleudern und mit dem Taxi zum Ishak

Pasha Palast hochzufahren. Der orientalische Palast thront in den Bergen über Dogubeyazit und

sieht in dieser Landschaft wunderschön aus. Der Taxifahrer bot mir das volle Programm, wartete auf mich als ich eine Stunde in den Felsen umherwanderte und führte mich sogar durch den Palast. Für 50 TL habe ich mir wohl das Luxusprogramm gekauft ;) Kurz vor dem Mittag war es aber an der Zeit, die letzten Kilometer in der Türkei unter die Räder zu nehmen und ich war so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Bei heftigem Gegenwind fuhr ich die 35Km am Mount Ararat vorbei und nachdem ich eine kilometerlange Kolone von wartenden Lastwagen überholt hatte, stellte ich mich nervös und etwas ratlos vor ein geschlossenes Gittertor an der Grenze. Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet hatte fragte ich mal einen Polizisten, wie lange ich hier etwa warten müsse, worauf dieser meinte, dass hier nur Autos und Reisecars durchfahren dürfen. Ich müsse rüber zum Fussgängerzoll. Bei all den anderen Grenzen konnte ich bisher einfach mit dem Fahrrad durchrollen und meinen Pass hinstrecken, aber ich bin hier nicht mehr in der EU wo alles so einfach geht... Als ich mit dem Velo in die Passagierhalle kam warteten bereits hunderte Menschen Schulter an Schulter vor einem einzigen Zollhäuschen und versuchten, sich irgendwie nach vorne zu drücken. Ich stellte mich hinten an und wurde gleich von den anderen Wartenden nach vorne geschickt, damit ich so schnell wie möglich durch bin. Super, dann geht das vielleicht ja gar nicht so lange! Mit vereinten Kräften hievten wir das Velo über eine Abschrankung, die viel zu schmal war um das Velo durchzustossen, und als ich schon meinen Pass zeigen wollte hiess es vom Grenzbeamten «hinten anstellen». Okay, wieder zurück in das Gedränge und bei einer Affenhitze inmitten hunderter Leute eingequetscht abwarten. Nach einer Stunde stand ich noch immer am gleichen Ort und ich stellte mich auf einen langen Tag ein. Ich unterhielt mich ein bisschen mit den Leuten neben mir, erhielt Visitenkarten und Einladungen und nach kurzer Zeit

wusste die ganze Halle, dass hier ein Schweizer steht, der in den Iran will. Plötzlich rief der Grenzbeamte durch die Menschenmenge hindurch, dass der Typ mit dem Fahrrad nach vorne kommen soll und dann gings ganz schnell und ich hatte die Türkische Grenze hinter mir. Keine Ahnung warum das bei all den andern so lange dauerte, aber ich war froh, dass ich nicht noch eine Ewigkeit am Schalter stehen musste. Jetzt hatte ich noch die iranische Grenzkontrolle

vor mir. Ich schob mein Velo beinahe zitternd durch einen langen, mit Stacheldraht umzäunten Gang und stellte mich in einer kurzen Schlange an. Nach etwa 15min war ich durch und war etwas überrascht, dass nicht mal mein Gepäck kontrolliert worden war. Nach der 1. Passkontrolle gabs noch eine zweite und dann wars soweit! Ein netter Herr schob die Leute vor mir zur Seite, öffnete mir die Ausgangstür und sagte mit einem Lächeln «Welcome to Iran».

Während der kurzen Strecke bis zum kleinen Städtchen Maku fühlte ich eine unglaubliche Mischung aus Freude, Besorgnis und Aufregung und dachte mir ständig «Schei**e ich bin im Iran» :) Meine Gedanken kreisten in einem wilden Rauf und Runter um das alten Persien, die Scharia, iranische Gastfreundschaft, unterdrückte Frauen, wunderschöne Landschaften und Berge, uralte Kultur und Architektur, islamische Wertvorstellungen, orientalische Städte, Oasen in der Wüste... Es ist kaum zu glauben wie vielseitig und doch umstritten dieses Land ist! In Maku wollte ich erstmal in einer Bank ein paar Dollar in Rial wechseln. Aber es war ja Donnerstag und somit der islamische Samstag, an welchem alles geschlossen ist. Auch mit dem Lesen geht’s jetzt nicht mehr so ring, da alles auf Arabisch angeschrieben ist und bis ich ein Hotel fand musste ich etliche Male bei Fussgängern nachfragen. Unterwegs riefen mir die Leute ständig «Welcome to Iran» und «Thank you for coming to Iran» zu. Stellt euch mal vor, wir Schweizer würden unsere Touristen so empfangen ;) Im Hotel konnte ich dann 100 US-Dollar wechseln und erhielt dafür 3`300`000 Rial. Irgendwie fühlt es sich komisch an, mit 500`000er-Noten im Sack herumzulaufen, obwohls kaum einen Wert hat. Vor dem Schlafen gönnte ich mir noch ein russisches alkoholfreies Bier und stellte fest, dass die iranische Internetzensur nicht nur Youtube und Facebook betrifft, sondern auch 20min und praktisch alle .ch Seiten. Die Schweizer Medien sind wohl zu verrucht für den Iran :)Aber vielleicht ist es gar nicht mal so schlecht, eine Weile auf News und Facebook zu verzichten, zumindest komme ich noch auf meine eigene Website! Eigentlich hatte ich schon vor Beginn dieser Reise vor, im Iran als normaler Tourist umherzureisen und von hier aus mit einem Bus nach Tehran zu fahren. Aber am nächsten Morgen war das Wetter so herrlich, dass ich mich spontan dazu entschied, in den nächsten drei Tagen nach Tabriz zu fahren und von dort den Bus zu nehmen. Das Hupen und Winken kenne ich ja schon aus der Türkei, aber das hier ist ein ganz anderes Kaliber. An den Gebäuden hängen überall mal kleinere und mal grössere Bilder des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini und seinem aktuellen Nachfolger und es fühlt sich seltsam an, ständig von diesen zwei alten, bärtigen Herren aus den Bildern heraus angestarrt zu werden. Der Ayatollah wird hier Supreme Leader genannt und hat bei jeder Entscheidung des Parlaments das letzte und gültige Wort... Nach 30 Km machte ich neben einem Feld voller Fruchtbäume eine kurze Trinkpause und erhielt vom Bauern gleich eine Privatführung durch seine Plantage. Als ich weiterfuhr hatte ich die Tasche voller Früchte und war satt bis zum Abend :) Auf den nächsten 80 Km durch surreal schöne Landschaften hatte ich wieder brutalen Gegenwind und ich studierte ständig daran herum, ob ich wie geplant den Bus nehmen soll oder doch lieber mit dem Velo weiterfahre. Schlussendlich entschied ich mich, zu meinem ursprünglichen Plan zu halten und in diesem Land mal Ferien von den Ferien zu machen :) Abends machte ich mir nicht mal mehr die Mühe, nach einem schönen Zeltplatz zu suchen und stellte ausgelaugt mein Zelt auf einem Feld neben der Strasse auf. Es zog ein heftiges Gewitter auf, aber ich war zu müde um mich davon stören zu lassen und ich schlief trotz dem Strassenlärm ziemlich rassig ein. Am nächsten Morgen fuhr ich bei bewölktem und windigen Wetter weiter in Richtung Marand. Die Strecke verlief durch ein breites Tal zwischen kahlen Hügeln und Bergen und ich fühlte, dass ich jetzt wirklich in Persien angekommen war. In den Tälern wurden die Felder bestellt und immer wieder waren kleine, rechteckige Lehmhäuschen zu sehen, welche mich an Fotos aus einem Nahost Reiseführer erinnerten. Als ich noch 5 Km von meinem Ziel Marand war, hielt ein Fahrer mit seinem iranischen Pickup Truck vor mir an, stieg aus und begrüsste mich freudig. Mortaza wolle alles über meine Reise wissen und mich unbedingt in die Stadt fahren und mich herumführen. Das Velo auf der winzige Ladefläche des 19-Jährigen Wagens war ein ziemlich lustiger Anbkick und ich konnte nur hoffen, dass es nicht runterfällt. Mit knapp 30 km/h gings dann in die Stadt, wo er mich stolz seinen Kollegen vorstellte und Cay servierte. Einer der älteren Herren mit herrlichem Schnorres zog voller Freude mein verschwitztes Baseballcap an und sagte zu mir, dass ich eine seiner Töchter heiraten soll. Herzlichen Dank, vielleicht ein ander Mal ;) Mit Hilfe der Kollegen, die den Wagen anschieben mussten um ihn zu starten, fuhren wir zu einem Automechaniker, dann wieder zu anderen Kollegen, die unbedingt den Schweizer kennenlernen mussten. Einer seiner Kollegen, ein begeisterter Radfahrer, hätte mich gerne bei sich zuhause zum Übernachten eingeladen. Da er aber beim Zieleinlauf seines letzten Marathons eine amerikanische Flagge aufgehalten habe, sei er verhaftet worden und dürfe nun keine Touristen mehr aufnehmen. Abends gingen wir in ein kleines Dorf neben der Stadt, wo Mortaza und sein Bruder gemeinsam mit ihren Ehefrauen und Kindern in einem Haus wohnen. Mortaza erklärte mir, dass es im Iran ein Tabu sei, eine Freundin zu haben und es unter Strafe stehe, eine unbegleitete, unverwandte Frau anzusprechen. Immer wieder sprachen wir über unsere Länder und verglichen unsere Traditionen und Sitten, was bei allen manchmal für Erstaunen sorgte. Zum Beispiel erhält hier jede Familie pro Person 50 Dollar im Monat, wie das in allen ölfördernden Ländern üblich sei. In einem kleinen Lokal mitten im Dorf zeigten mir die Dorfherren stolz ihre Sammlung von illegal heruntergeladenen Hollywood-Streifen, welche hier richtig wertvolle Ware sind :) Für vielen Sachen gibt es drakonische Strafen, der Besitz eines Satellitenempfängers wird mit 3 Monaten Haft bestraft, da diese westlichen Sender die Leute auf falsche Gedanken bringe. Sie erklärten mir, dass der Grossteil der Bevölkerung nicht mit der iranischen Regierung einverstanden sei und sie sich ein liberaleres Land wünschten, aber das letzte Wort habe halt eben der religiöse Supreme Leader und dies werfe ein schlechtes Bild auf die ganze Bevölkerung. Neugierig fragen sie jeweils, was man in meinem Land vom Iran hält und wünschen sich, dass man sie als sympathische und gastfreundliche Leute wahrnimmt. Zum Abschied wurde ich zu einer Gemüsesuppe im eigenen Garten eingeladen, welche Mortazas Frau extra und nur für mich gekocht hatte und dann verabschiedete ich mich erschöpft vom vielen Reden von diesen netten Leuten, um mir eine Mütze Schlaf zu gönnen :) Am nächsten Morgen fuhr ich auf der schwer befahrenen Hauptstrasse nach Tabriz. Die Autos auf der Strasse sind grösstenteils iranische Eigenproduktionen wie Saipa oder Saba und Weiss ist eindeutig die Lieblingsfarbe der Iraner, wenn der Lack denn noch dran ist. Die meisten Autos sind uralt und werden notdürftig zusammengeflickt, da es wegen der internationalen Sanktionen schwer ist, an Ersatzteile zu gelangen. Es fahren aber auch viele Peugeots und Renaults herum, welche gemäss Mortaza hier im Iran hergestellt werden. «Autos zu importieren wäre wegen der Sanktionen zu teuer», meinte er. Unterwegs wurde ich von den uralten Wagen regelmässig mit einer schwarzen Russwolke eingedeckt und war froh, als ich kurz nach Mittag Tabriz erreichte. Hier fing der Spass aber so richtig an und ich hatte schon lange nicht mehr einen solchen Adrenalinkick wie in diesem Stadtverkehr :) Seit langem zog ich wieder mal den Helm an und mein Herz klopfte wie wild, aber es machte einen riesen Spass durch das Chaos dieser Millionenstadt zu fahren :) Manchmal hatte ich ein Riesenschwein, dass ich nicht über den Haufen gehobelt wurde, aber trotz des Chaos scheints irgendwie zu funktionieren. Bei den Verkehrs- und Vortrittsregeln hier blicke ich noch nicht wirklich durch, wenns denn überhaupt welche gibt. Aber irgendwie muss man sich den Wikipedia Eintrag als eines der weltweit gefährlichsten Verkehrsländer der Welt ja verdienen ;) In Tabriz checkte ich in einem kleinen Hotel ein und besichtigte den riesigen Bazar, welcher mit seinen sieben Kilometern aus verwinkelten, überdeckten Gassen zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Ich hätte stundenlang darin herumlaufen können und wäre immer wieder an neuen Ständen vorbeigekommen. In einer Gasse werden Früchte angepriesen, in der anderen Fleisch, dann Fisch, Gewürze, Kleider, Schuhe, Kopftücher, für alles gibt es eine separate Gasse. Und bis auf ein deutsches Pärchen habe ich keine anderen Ausländer gesehen, was diesen Bazar im Vergleich zu dem in Istanbul so reizend macht. Am Abend setzte ich mich in einen Park und wurde keine Minute später von einem Herrn angesprochen, welcher mich nach den üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin gleich zu sich nachhause einladen wollte. Leider hatte ich mein Hotel schon bezahlt, denn das wäre bestimmt eine interessante Erfahrung gewesen! Zum Abschied drückte er mir noch zwei seiner drei Vanilletörtchen in die Hand und ich konnte wiedermal nur darüber staunen, was da gerade passiert ist. Die Iraner geben sich wirklich grosse Mühe, das von den Medien gemachte Bild von ihnen zu korrigieren und kommen mit einer unglaublichen Freundlichkeit und Neugier auf westliche Touristen zu. Ich habe mich hier noch nie unsicher gefühlt und obwohls hier, wie auch sonst überall, einige Trottel gibt, so sind doch die allermeisten Leute einfach unglaublich freundlich. Die prächtige blaue Moschee, welche ihren Namen von den Millionen blauen Fliesen hat, wurde nach einem Erdbeben im 18. Jahrhundert fast vollständig zerstört und erst knapp 200 Jahre später wieder teilweise renoviert. Es ist immer schön die Moscheen zu besichtigten, denn an heissen Tagen bieten sie immer ein schön kühles Plätzchen :) Als ich aus der Moschee herauskam wurde ich von einem Englischlehrer angesprochen und gefragt, ob ich ihm beim Übersetzen von englischen Wörtern helfen könne, was ich natürlich gerne machte. Keine Ahnung warum mich die Leute in der Türkei immer für einen Türken hielten, ich hier aber bereits aus 100 Metern Entfernung als Tourist erkannt werde! Dass es sich um seine Masterarbeit handelte setzte mich ganz schön unter Druck und ich hoffe, dass ich «Impressional Method» und alles was mit den Unterrichtsmethoden im Iran zu tun hat, richtig übersetzt habe. Wir sassen etwa eine Stunde auf der Treppe vor der Moschee, unterhielten uns und übersetzten Wörter und jetzt weiss ich sogar über das iranische Bildungssystem Bescheid :) An das Geld hier muss ich mich erst mal gewöhnen. Für $100 erhält man 3`300`000 Rial und trägt einen riesigen Bund voller Geldscheinen in der Hosentasche mit sich rum. Da die Preise in den Geschäften und Restaurants entweder gar nicht oder nur auf Farsi angeschrieben sind, halte ich beim Bezahlen einfach Mal etwa 1,5 Millionen hin und sie zupfen sich dann die Noten raus, die sie brauchen. Hat bisher ganz gut geklappt :) Die Zahlen sind aber ziemlich einfach zu lernen und mittlerweile kann ich zumindest abschätzen, wieviel ich etwa bezahlen muss. Um das Ganze jedoch noch ein bisschen komplizierter zu machen haben die Iraner den inoffiziellen Toman erfunden, bei welchem einfach eine Null weggelassen wird, um nicht so ellenlange Zahlen schreiben zu müssen. Die Frage ist dann nur noch, ob der Preis jetzt in Toman oder in Rial angeschrieben ist. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich eines Tages bei diesen Zahlen durchblicke ;)

Bevor ich am Montagabend mit dem Nachtbus nach Tehran fuhr, fand ich zufällig ein richtig cooles, gemütliches Caffee, in welchem Lounge und Jazz Musik lief und ich hatte fast das Gefühl, irgendwo in Europa zu sein. Die zwei Angestellten behandelten mich wie einen Ehrengast und brachten mir Kaffee, Schoggibanane-Shake, Kuchen, Datteln und Karottensaft, und am Ende

durfte ich nicht mal bezahlen :) Hier hätte ich noch Stunden verbringen können, aber ich musste mir ja noch ein Busticket besorgen. Am riesigen Busbahnhof gings zu und her wie auf dem Bazar

und es war eine ziemliche Herausforderung, sich hier einen Überblick zu verschaffen. Es gibt zig Bushunternehmen und nach etwa einer Stunde am Schalter hatte ich ein VIP Ticket für die 650 Kilometer lange Strecke in der Tasche. Das Beste daran ist, dass ich dafür keine 10 Franken bezahlt habe :) Ich habe mich schon darauf eingestellt, in einer uralten Klapperkiste fahren zu müssen, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. Der Bus war top modern und die Sitze liessen sich beinahe zu einem Bett ausfahren! Von vielen anderen Fahrradtourern habe ich gehört und gelesen, dass sie noch einen grossen Aufschlag fürs Velo zahlen mussten oder gar nicht erst in den Bus gelassen wurden. Ich hatte da wohl Glück und musste nicht mal einen Aufschlag bezahlen! Schlafen konnte ich während der achtstündigen Fahrt trotzdem nicht und morgens kam ich etwas übermüdet in Tehran an. Diese 10 Millionen Stadt haute mich fast aus den Socken und nach Wochen auf kleinen Feldwegen und Dörfern kam ich mir vor wie im falschen Film. In so grossen Städten fühle ich mich meist nicht wirklich wohl, aber mittlerweile kann ich schon selbst U-Bahn fahren und finde den Weg zum winzigen Hostel, worauf ich richtig stolz bin ;)

Am Nachmittag ging ich mit einer Holländerin vom Hostel zum Golestan Palast, welcher vom damaligen Herrschen nach westlichem Vorbild eingerichtet wurde und mit seinen tausenden Spiegeln und Kronleuchtern leicht übertrieben wirkt. Ab und zu rutschte Anne das Kopftuch weg und wir wurden von den Leuten komisch angeschaut, aber das wird bei den Touris wohl akzeptiert ;) Ich bin echt froh nicht als Frau durch den Iran reisen zu müssen, ich schwitze hier schon in den langen Hosen und T-Shirt! In den Strassen Tehrans herrscht ein geschäftiges Treiben, die Leute sind viel schneller unterwegs als noch in Tabriz und irgendwie kommts mir vor wie ein riesiges, orientalisches Zürich. Die Frauen laufen bei weitem nicht alle mit einem Tschaddor herum, sondern sind meist richtig modisch gekleidet und tragen das farbige Kopftuch nur bis zur Mitte. Richtig speziell ist aber, dass viele Frauen und sogar noch mehr Männer mit einem weissen Pflaster auf der Nase herumlaufen. Jaaa, angeblich gibt’s hier richtig gute plastische Chirurgen :) 

Jetzt fängt das ganze Visabeschaffungsprozedere an und ich verbrachte bereits Stunden in einem

Internetcaffee, um die Antragsformulare auszufüllen. Dann holte ich bei der Schweizer Botschaft die Empfehlungsschreiben für meine Reise ab, welche ich meinen Visaanträgen beilegen muss. Phuu das dauert mit der Metro ja 45 Minuten pro Weg, ganz schön gross, diese Stadt... Donnerstags, Freitags und Samstags sind die Botschaften geschlossen, aber das ist nicht so schlimm, denn sie haben ja immerhin an den andern Tagen von 9 – 11 Uhr geöffnet ;) Es wird wohl eine Weile dauern, bis ich das alles erledigt habe und ich hoffe, dass ich Tehran so schnell wie möglich wieder verlassen kann um den Iran erkunden zu können. Von zwei andern Radlern habe ich gestern erfahren, dass die Turkmenische Botschaft auf unbestimmte Zeit geschlossen ist und es im Moment unmöglich sei, an Visas zu gelangen. Falls das nicht klappt werde ich wohl irgendwo hinfliegen müssen, da die einzigen Optionen auf dem Landweg über Pakistan oder Afghanistan führen würden. Aber ich schaue jetzt erst mal, obs da nicht doch eine Möglichkeit gibt und bleibe für alle Fälle flexibel :)

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Kommentare: 6
  • #1

    Mona (Samstag, 14 Mai 2016 11:06)

    Ungloublech wi du dini Reis chasch usdrücke! Da wott me ou grad furt..
    Häbs no ganz guet!

  • #2

    Jonny B. (Samstag, 14 Mai 2016 12:03)

    Da wet mä würklich o grad los:)

  • #3

    Sebu (Samstag, 14 Mai 2016 12:08)

    Schöne Tschörtschu...häb dr Sorg u gniesses...

  • #4

    Peschä Utz (Samstag, 14 Mai 2016 15:38)

    Ola Jorga, ha mir Dini Brichterstattig inäzogä. Bi Dirä Grammatik u Dirä Phantasie söttisch Dini Reis unbedingt imänä Buech zum Beschtä gä. Chapeau. Pass uf Di uf. Liebi Grüess Peschä

  • #5

    Mam (Samstag, 14 Mai 2016 18:20)

    Ungloublich wie spannend und unterhaltsam du schribsch.. I chönnt immer witerlese... So cooli erlebnis, so vieli tolli lüt wo du triffsch und ou all das guete wo du darfsch erlebe... I bi so stolz uf di.. Gnies jede tag und i freue mi uf jede witer text und die wahnsinns bilder... Love you mamen

  • #6

    Corinne (Sonntag, 15 Mai 2016 00:09)

    Heilige bimbam das ist so spannend - i vergisse fasch z schnuffe vor luter làsá !! Weiter so ! Irgendwann wird dein erlebnis verfilmt und du darfst alles nochmals fahren ;-)