Shit happens

Wie geht das berühmte Sprichwort nochmal? Ah ja, «Keep calm and eat cupcakes»! Aber ich glaube, ich werde euch noch ein bisschen auf die Folter spannen ;)

 

Als Pierre und ich morgens in Bitola losfuhren, waren die Berge mit einer Schicht Neuschnee überzogen und es war saukalt. Bei einem kleinen Veloladen machten wir einen kurzen Halt, um ein paar Ersatzteile zu besorgen und da es bereits 8 Uhr morgens war, erhielten wir gleich noch ein Glas Schnaps zur Feier des Tages :) Jetzt waren wir aufgewärmt und nach kurzer Zeit erreichten wir schon die griechische Grenze. Ich war gespannt, ob es aufgrund der Flüchtlingswelle so reibungslos klappen würde wie bisher, und tatsächlich waren wir nach etwa zwei Minuten auf der anderen Seite. Während der Fahrt nach Edessa machten wir alle vier

Jahreszeiten durch und zogen uns wärmer an wenn der Wind blies, zogen uns wieder aus wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel schien und dann wieder eine wärmere Schicht wenn es anfing zu schneien. Dafür hatten wir auf der Nebenstrasse durch die Hügel nicht den geringsten Verkehr und wir fanden es ganz schön cool, mit dem Velo in eine andere Zeitzone gefahren zu sein. Es war Nationalfeiertag in Griechenland und alle Läden waren geschlossen, weshalb wir neben einer orthodoxen Kirche noch unsere letzten Reserven Brot, Thunfisch und Schoggi-Cake verschlangen. Als wir in Edessa ankamen fanden wir einen Spielplatz mit Kraftgeräten, und da wir seit langem nur reisen und keinen Sport gemacht hatten, gabs noch eine kleine Trainingseinheit obendrauf :) Edessa liegt auf einem Plateau, welches gegen Osten fast senkrecht abfällt und den Bächen, welche sich durch die Stadt ziehen, eine tolle Gelegenheit bietet, sich als grösste Wasserfälle Griechenlands in die Tiefe zu stürzen. Nachdem wir gemütlich durch die Altstadt geschlendert sind, suchten wir uns einen Zeltplatz für die Nacht und fanden eine tolle Pfirsich-Plantage, wo wir unsere Zelte zwischen den Bäumen aufstellten.

 

 

Der Weg nach Thessaloniki erinnerte mich sehr an Norditalien, links begleitete uns das Balkangebirge und rechts war die Landschaft von Industrie und Landwirtschaft geprägt. Unterwegs sahen wir das erste Flüchtlingscamp und viele Militärlastwagen, welche fleissig die Strassen rauf und runter fuhren. Von den Flüchtlingen selbst haben wir jedoch nicht viel

mitgekriegt, nur ab und zu sahen wir ein Familien am Strassenrand stehen. Thessaloniki, die zweitgrösste Stadt Griechenlands, gefiel mir auf Anhieb und als erstes erkundeten wir den riesigen Markt, in welchem Fisch, zappelnde Krebse, Fleisch, Früchte, Gemüse und Gewürze verkauft werden. Es war vermutlich nicht unser glorreichster Einfall, die voll bepackten Velos

durch den überfüllten Markt zu schieben, aber die Leute machten uns immer schön Platz was auch nicht schlecht war :) Am Abend fand ich ein tolles Hostel in den verwinkelten Gassen eines coolen

Quartiers hoch über dem Meer, wo ich mich für zwei Nächte einquartieren konnte. Einige der Hostelgäste sind freiwillige Helfer in Idomeni, wo sich ein grosses Flüchtlingslager mit 12`000 Menschen befindet. Das Gesprächsthema handelt oft von den Flüchtlingen und es ist interessant zu hören, was sich in diesen Lagern so abspielt. Am Ostersonntag telefonierte mit meiner Familie und ich freute mich sehr darüber, ihre Stimmen zu hören. Ich denke während dem Fahren oft an meine Familie und Freunde und vermisse sie, aber das Jahr wird ja ruck zuck wieder vorüber sein und ich geniesse jetzt erst mal das Reisen :)

 

Am Montagmorgen machte ich mich früh auf den Weg, um Pierre im nächsten Dorf zu treffen und von dort zusammen weiter Richtung Osten zu radeln. Nachdem ich ca. 1 Kilometer gemütlich den Hügel hochgefahren bin, sprang plötzlich meine Kette raus. Auf irgendeine Art und Weise war der hintere Wechsler verbogen und als ich ihn wieder zurecht biegen wollte brach das Scheissteil einfach ab. Ich regte mich über mich selbst auf, aber mit dem gebrochenen Metallstück konnte ich die Weiterfahrt vergessen. Bei den drei Velomechanikern, die ich gefunden habe, hiess es immer dasselbe: «Oh very bad luck, it`s a special part, we don`t have it». Na toll, was mach ich jetzt? Okay, Keep calm and eat cupcakes. Beni wird mir das Metallstück nächste Woche nach Istanbul bringen und ich werde wohl oder übel von hier aus den Bus bis dorthin nehmen müssen. Auch wenn ich gesagt habe, dass ich diesbezüglich flexibel bleiben will, wurmt mich das schon ziemlich. Es ist nicht so einfach wie ich gedacht habe, wenn man vom vorgesehenen Weg abkommen muss und ich erst ab Istanbul weiterradeln kann. Aber so geht’s halt manchmal und jetzt mach ich das Beste

aus der Zeit die ich Thessaloniki habe und besuche noch ein paar Museen, damit ich bei meiner Rückkehr auch schön gebildet bin :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Beni (Dienstag, 29 März 2016 12:30)

    Haha die 2. Letschte Biuder