Immer weiter gegen Süden

Es ist schon wieder eine Weile her seit ich mich zuletzt gemeldet habe und ich glaube, es gibt doch wieder das Eine oder Andere zu berichten :)

Zadar hat mir super gefallen! Als ich nach der Erkundungstour der mittelalterlichen Altstadt und ein paar Bier auf die Uhr geschaut habe war bereits Mitternacht, diese Nacht würde also nicht mehr viel Schlaf hergeben. Eigentlich hätte ich in der «Tequilla Shot Bar» ja gerne noch ein bisschen weiter gefeiert, aber das hätte meinen Plan, am nächsten Tag 125 km nach Trogir

zu fahren wohl etwas über den Haufen geworfen.

 

 

Am nächsten Morgen kams wies kommen musste, und ich machte mich mit wenig Schlaf, ein bisschen Kopfschmerzen und wie könnte es anders sein, starkem Gegenwind, aber herrlichem

Sonnenschein auf den Weg in Richtung Süden. Die Küstenlandschaft war absolut einmalig und für einmal blies mir der Wind sogar mit einer angenehmen wärme ins Gesicht. Und nach 62 Kilometern hatte ich die ersten 1000 Kilometer dieser Tour erreicht, was für ein Gefühl! In der Stadt Sibenik suchte ich wie schon so oft eine halbe Ewigkeit nach der richtigen Strasse, die mich über die Hügel nach Trogir führen würde. Irgendwann fand ich ein Schild mit der Stadt und der richtigen Strassennummer angeschrieben, und als ich mich schon voller Freude im Glauben wähnte, über das Strassenlabyrinth triumphiert zu haben, kam als nächstes ein Autobahnschild oder ein Tunnel wo Velofahrer nicht durchfahren dürfen. Nachdem ich zwei Mal zurückgefahren bin um mich zu versichern, dass ich die Schilder richtig gelesen hatte, fragte ich einen älteren Herrn wo ich durchfahren muss. Dieser meinte ganz cool, ich solle doch einfach am Rand entlang durch den Tunnel mit dem Autobahnschild fahren und irgendwann nach dem Tunnel rechts abbiegen. Ja wenn das so ist alter Mann, dann werde ich Mal schleunigst diesen dunklen Tunnel mit vorbeirauschenden Autos durchqueren und diese Strasse suchen. Am Ende des Tunnels fand ich tatsächlich eine Strasse, die nach rechts abbog. Nur waren hier die Strassenschilder wieder völlig anderer Meinung und so fragte ich mich wieder bei den vorbeigehenden Leuten durch, bis ich nach ca. einer halben Stunde die richtige Strasse doch noch fand. Schon witzig, wie ich von den Schweizer Schildern verwöhnt bin und mich hier nur noch mit Müh und Not zurechtfinde. Wie wird das wohl in den östlicheren Ländern zu und her gehen? Ach egal, damit kann ich mich ja später noch beschäftigen :) Am Abend erreichte ich erschöpft aber glücklich das wunderschöne Trogir, wo ich für den nächsten Tag eine Pause in dieser UNESCO-Stadt geplant hatte. Trogir liegt auf einer keinen Insel und ist durch eine Brücke am Nordufer mit dem Festland und eine Brücke am Südufer mit einer weiteren Insel verbunden. Laut National Geographics ist dies die schönste Inselstadt der Welt, und ich glaube diese Auszeichnung hat sie völlig verdient. Auch wenn ich die alten Burg- und Hausmauern gerne Mal im Sonnenschein gesehen hätte, so strahlte diese Stadt einen heimeligen Charme aus und trotz der winzigen Grösse kann man sich in den kleinen engen Gässchen verlieren. Aus den ursprünglich geplanten zwei Nächten wurden schliesslich drei, da Sturmböen über die Küstenstrasse fegten und die Strassen teilweise gesperrt waren. Ich wäre eigentlich gerne wieder aufs Rad gestiegen, aber so hatte ich mal die Gelegenheit, meine Wäsche zu waschen, richtig schön zu duschen, das Velo ein bisschen zu pflegen, die weitere Route unter die Lupe zu nehmen und obendrein gibt es bestimmt schlechtere Orte als Trogir, um einen kleinen längeren Zwischenstopp einzulegen :) Und mit dem Hostel hätte ich es nicht besser treffen können. Das von Oli und Angela aus Deutschland geführte Hostel Marina war der Hammer und obwohl ich der einzige Gast war wurde ich mega herzlich empfangen und fühlte mich sofort wie zuhause. Morgens wurde mir Kaffee serviert, ich erhielt gute Tipps wie ich meinen weiteren Weg finden werde und als ich am letzten Abend von der Stadt zurückkam hatten sie sogar ein Bier für mich bereitgestellt. Vielen Dank für alles Oli und

Angela, ihr seid super und es hat mich sehr gefreut, dass ich bei euch bleiben durfte! Jetzt bin ich aber schon ein bitzeli unter Zeitdruck, um meinen Bruder Beni am 01.04. in Istanbul zu besuchen. Da werde ich wohl für ein kurzes Stück noch den Bus nehmen müssen, aber das kratzt mich eigentlich nicht gross, ich kann ja noch genug Velofahren :)

 

Von hier gings weiter nach Makarska und am nächsten Tag für eine Nacht nach Neum in Bosnien und Herzigowina. Die Strecke durch die ersten Landwirtschaftsgebiete die ich in Kroatien sah war wiedermal weltsschön und die Landschaft liess mich den mittlerweile abgeflauten und schon fast herzig scheinenden Wind komplett vergessen. Ich kaufte mir an einem der zahlreichen Strassenstände ein paar Orangen und Äpfel sowie eine Portion getrocknete und in Zucker eingelegte Orangen. Diese Dinger sind echte Powerbomben und den nächsten Hügel liess ich wie im Flug hinter mir :) Jetzt muss ich nur noch schauen, dass ich bis Japan noch ein paar übrig habe! Als ich in Neum ankam versuchte ich es wieder mit meiner bewährten Strategie und noch bevor ich mein Bier erhielt, hatte ich auch schon die Zimmerschlüssel in der Hand :)

 

 

Nach ca. 10 km Bosnien passierte ich schon wieder die kroatische Grenze. Als mich der Zöllner fragte, wohin ich gehen wolle, winkte er mich nach meiner Antwort mit einem amüsiert Grinsen durch. Warum glaubt mir das denn keiner? :) Bisher habe ich schon so viele wunderschöne Orte und Landschaften gesehen, aber diese Strecke war einfach atemberaubend! Ich kam mir vor wie im Paradies, die Sonne schien, ich roch das Meer, die Blumen, die Tannenzapfen, fühlte den warmen Wind und zum ersten Mal konnte ich im T-Shirt fahren. Es kam mir wieder Mal in den Sinn wie toll es ist, dass ich das alles erleben darf! Als ich auf der Strecke eine kurze Pause an der Küstenstrasse machte fuhren etwa 15 deutsche Luxuskarossen vor, welche gerade ein Fahrtraining in Kroatien absolvierten. Die Fahrer sammelten sich um mich, sahen sich mein Fahrrad an und wollten wissen, warum ich nicht einfach den Flieger nach Japan nehme. Hmmm, wie erkläre ich das jemandem, der mit einem 100`000.- Boliden vorfährt? Wir führten eine interessante Unterhaltung und zum Schluss gaben sie mir die Hand und wünschten mir alles Gute für meine Reise.

 

 

Noch vor dem Mittag erreichte ich Westeros, eeehm Dubrovnik, wo gerade der neue Star Wars Streifen gedreht wird. Auch Game of Thornes wurde hier gedreht und ich freute mich riesig, diese Stadt zu erkundigen. Nach der Tour über die alten Stadtmauern gabs im Irish Pub ein paar Guinness mit Leuten die ich auf der Stadtmauer kennengelernt habe und wir stiessen gemeinsam zum St. Patricks Day an. Ich kanns kaum fassen, aber jetzt ist wirklich schon fertig mit Kroatien. Morgen geht`s nach Montenegro und dann weiter nach Albanien. Kroatien war wirklich toll, die Landschaften wunderschön und die Leute sehr freundlich. Jetzt bin ich gespannt, was ich in den nächsten Ländern alles erleben werde :)

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Rohner (Freitag, 18 März 2016 08:07)

    Toll, wie sich diese Zeilen lesen lassen. Deine Page ist wohl die meistbesuchteste Site in meiner Chronik... Ganz tolle Bilder, enjoy!

  • #2

    Sonja Springer (Freitag, 18 März 2016 14:52)

    Hey George, eifach Hammer! Merci viu mau für di Blog. Es isch jedes mau e riese Freud, weni wieder es Reisebrichtli darf läse u die wunderschöne Föteli darf aluege. Super! Gniess es u bis gli.

    Sunnigi Grüess usem Ämmitau
    Söne

  • #3

    Jonny B. (Freitag, 18 März 2016 17:44)

    Autobahntunnel....chunnt mir bekannt vor:)

  • #4

    Gaby (Freitag, 18 März 2016 23:47)

    Eifach Hamner was du aues gsehsch u erläbsch! Lise di Blog sehr gärn. Gniess es u häb witerhin sorg. :-)